Ludwig Hohl gehört zu den markantesten Außenseiterfiguren der Schweizer Literatur im 20. Jahrhundert: Für seine Existenz steht das Bild des Autors, der jahrzehntelang in einem Genfer Kellerzimmer haust und seine Manuskripte an einer Wäscheleine aufhängt. Aus seinen Anfängen hingegen weiß man wenig. Die Pariser Aufzeichnungen aus dem Jahr 1926, die 2004 erstmals publiziert wurden, zeigen Hohl im Kreis einer kleinen Schweizer Kolonie in Paris, die ein Boheme-Leben in Cafes führt. Über prägende literarische Einflüsse hingegen findet sich nichts. Als Hohl 1930 Paris verläßt, um sich zunächst in Österreich, dann in Den Haag seinem Hauptwerk, den Notizen, zu widmen, reißen die Informationen weitgehend ab. In diese bedeutsame Zeit bringt ein Konvolut von Briefen Licht, das in einem sprichwörtlichen Emigrantenkoffer in Edinburgh gefunden wurde: Gerichtet sind sie an Isak Grüberg, der - sieben Jahre älter als Hohl - sich in literarischen Kreisen bereits etabliert hatte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.06.2012
Lothar Müller eröffnet dieser schmale, gut kommentierte Band mit der Korrespondenz zwischen Ludwig Hohl und Isaak Grünberg einen neuen Blick auf das Leben des Schweizer Schriftstellers Hohl in den 1930er Jahren in Den Haag. Müller liest über Hohls Versuche, seine Texte in deutschsprachigen Zeitschriften unterzubringen, über seine Beziehungen zu Frauen, seine Leseerlebnisse und Arbeitsweise. Außerdem zeigen ihm die Briefe, wie sensibel Hohl die Bedrohung durch den Nationalsozialismus wahrnahm.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2012
Den Briefwechsel von Ludwig Hohl und Isak Grünberg, der nun von Rudolf von Bitter herausgegeben wurde, lobt Matthias Weichelt als interessantes Dokument einer Freundschaft. Die beiden Schriftsteller lernten sich in den 1920er Jahren in Paris kennen, die Korrespondenz und wohl auch die Freundschaft endete 1937, lässt der Rezensent wissen. Ihn hat beeindruckt, wie hellsichtig sich Hohl gegenüber seinem aus Galizien stammenden jüdischen Freund in Anbetracht der politischen Entwicklung zeigte und besonders berührt haben ihn zwei ebenfalls in diesem Band enthaltende Briefe eines gemeinsamen Freundes, Oser Warszawski, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
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