Angesichts der zunehmenden Globalisierung stellt sich heute mehr denn je die Frage, ob der Staat die inländischen Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz schützen darf oder ob er sich jeder Protektion zu enthalten hat. Die neoklassische Außenhandelslehre ist bis heute faktisch der einzige wirtschafswissenschaftliche Ansatz für die Rechtfertigung einer Freihandelsordnung. Allerdings ist sie an ihrem eigenen Anspruch gescheitert. Der von Walter Eucken und Franz Böhm begründete und von Friedrich August von Hayek maßgeblich weiterentwickelte Ordoliberalismus ist Grundlage für die Ausgestaltung von Wirtschaftsordnungen und Maßstab für Wirtschaftspolitik. Freilich ist er bislang ein rein nationalökonomischer Ansatz, der auf außenwirtschaftliche Phänomene nicht eingeht. Hier liegt gleichfalls ein erhebliches Defizit vor. Lüder Gerken liefert einen ersten Beitrag zur simultanen Behebung der beiden Defizite. Er entwickelt die Grundzüge einer ordoliberalen Außenwirtschaftstheorie und stellt damit die Frage, wann Freihandel, wann Protektion die angemessene Option in der Außenwirtschaftspolitik sei, auf eine neue konzeptionelle Grundlage.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2000
Erstaunt und positiv überrascht zeigt sich Dietmar Doering über dieses Buch: Es gelinge dem Autor glatt, den in Wirtschaftstheorie bis zum Überdruss diskutierten Freihandelstheorien "grundlegende neue Ideen" hinzuzufügen. Unter anderem wird das damit zu tun haben, dass Gerken nicht nur die Sekundärliteratur über die Klassiker wie David Ricardo gelesen hat, sondern auch diese selbst, wie Doering bewundernd vermerkt. Gerken scheint sich dabei vor allem mit zwei Theorien auseinanderzusetzen, mit der Neoklassik eines Friedrich August von Hayek, die er wegen fehlender Realitätsnähe sehr kritisch betrachtet, und mit dem Ordoliberalismus, dem er nach Doering eindeutig zuneigt. Dabei gelinge es Doering aber, die Gedanken des Ordoliberalismus neu zu begründen: Versteht man den Rezensenten richtig, so wird der Freihandel bei Gerken nicht mehr über das Effizienzargument gerechtfertigt, sondern aus dem Begriff der Freiheit selbst. Eine wertvolle Argumentationshilfe in aktuellen wirtschaftspolitischen Debatten, findet Doering.
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