Hyphen
Roman

Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN
9783751809849
Gebunden, 303 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Als es 2025 zum ersten Mal weltweit zu einem wochenlangen Stromausfall kommt, bricht, wider Erwarten, keine Panik aus. Und selbst als Stromnetze und Lieferketten, Geldströme und das Internet endgültig zusammenbrechen, bedeutet es nicht den Untergang der Zivilisation. Stattdessen beginnt für die Menschen in Luise Meiers facettenreich erzähltem Roman Hyphen die aus der Not geborene Suche nach anderen, auch nichtmenschlichen Beziehungsweisen, die ein gemeinsames Überleben und Füreinander-Sorgen ermöglichen. Da ist etwa Anne, die versucht, den Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten, ihr fünfzehnjähriger Sohn Tomasz, der plötzlich die Wirkmacht der Natur zu sehen lernt, oder Maja, die über all das für die ständig wachsende, den Globus umspannende Enzyklopädie Protokoll führt.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2025
Die Heldinnen der drei Zukunftsromane von Carla Kaspari, Amira Ben Saoud und Luise Meier, die Rezensent Thore Rausch bespricht, haben eine ganz spezielle Fähigkeit gemeinsam, nämlich mit Hilfe des "sanften Rausches" einer dystopischen Welt entfliehen zu können. Eine Chance im Weltuntergang sieht Luise Meier in ihrem neuen Roman, in dem sich in Folge der Apokalypse gleich dem "feinen Geflecht der Pilzfäden" eine neue Gesellschaft bildet. Es zeigt sich: Ohne Ablenkung durchs Smartphone, Kapitalismus und Wettbewerb lässt es sich viel besser Leben - "Rückkehr zum autarken Leben" lautet das Motto. "Handy aus, Welt an", findet der Kritiker gar keine schlechte Idee, leider kann es Meier bei der Umsetzung aber nicht vermeiden, im "Kitschkommunismus" zu enden - das ist dem Kritiker zu viel der Träumerei.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 09.11.2024
Bei Luise Meiers Roman über eine utopisch-kommunistische Gemeinschaft ist Rezensentin Angela Gutzeit etwas zwiegespalten. Der Strom fällt 2027 weltweit endgültig aus, die Leute fangen an, sich zu vernetzen, anstatt sich zu bekriegen, mit dem Bericht eines Kollektivs einige Jahre später setzt der Roman ein, darin ist die Rede von größerer Zufriedenheit dank größerer Gemeinschaft, erfahren wir zur Handlung. Eine zentrale Figur ist Maja, die die Einbindung der Menschen in die Natur vorantreiben soll, vor allem mit Pilzen, deren wuchernde Struktur nachgeahmt werden soll, wie Gutzeit skeptisch bemerkt, ihr sind diese pilzbedingten Bewusstseinsschübe etwas zu seltsam, wie auch das Personal des Romans zu wenig lebendig ist. Das Buch funktioniert ihr zufolge besser als Denkanstoß denn als fiktionale Geschichte und wie die "kluge Denkerin" Meier diese Gedanken mit ihren Kenntnissen zu Marxismus, Kapitalismus und Kolonialismus weiter ausführt, macht die Kritikerin durchaus neugierig.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.09.2024
Rezensentin Katharina Teutsch wird ganz und gar nicht warm mit diesem Buch von Luise Meier, die hier die in ihrem Essay "MRX Maschine" von 2018 formulierte Aufforderung zur antikapitalistischen Revolution weiterdenkt. Stromausfälle führen in der Provinz in Vorpommern zum Rückfall in eine Zeit wie vor dem Ersten Weltkrieg, erfahren wir: Die Menschen organisieren sich in Großküchen und Subbotniks, greifen auf Laufburschen und Pferdefuhrwerke zurück und sind ganz zufrieden, resümiert Teutsch. Schattenseiten bleiben ausgespart, die würden das aktivistische Anliegen der Autorin ja auch stören, vermerkt die Kritikerin. Und dass psychoaktive Pilze als "heimliche Helden" auftauchen und den Roman offenbar ins "popkulturell Psychedelische" erweitern sollen, macht es für Teutsch nicht besser.