Religion beschäftige sich mit der jenseitigen Seele, Tauschwirtschaft mit dem materiellen Gebrauchswert so die verbreitete Ansicht. Die Ergebnisse der Ethnologie und der Geschichte belehren uns eines Besseren und zeigen die Geburt des Werts aus der kultischen Praxis. J-P. Baudets materialreiche Untersuchung liefert keine systematische Theorie, aber sie zeigt die Opferpraxis als ein zentrales Paradigma der Menschheitsgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.05.2013
Ein wenig verquast klingt, was Rezensent Michael Böhm hier aus der Schrift des bisher wenig bekannten Philosophen Jean-Pierre Baudet zusammenträgt. Aber er lässt in seiner Kritik Geduld walten und resümiert zunächst recht ausführlich, wie Baudet den Kapitalismus - den sowohl Baudet als auch sein Rezensent als "Gift" anzusehen scheinen - aus der Religion ableitet: Das religiöse Opfer soll zunächst die Abstraktionsschritte eingeleitet haben, die am Ende zum entwickelten Kapitalismus geführt haben. Böhm leuchtet daran manches ein - aber er findet die These zu allgemein: Die alten Griechen, so wendet er ein, hätten es keineswegs zum Kapitalismus gebracht, die Christen dann schon. Religion ist also nicht gleich Religion.
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