Aus dem Portugisesischen von Michael Kegler. Der "Fortschritt" - Schlagwort der technokratischen Siebzigerjahre, in Brasilien Parole der Militärdiktatur - kommt bis nach Cataguases: Anstatt in gemieteten Verschlägen am Flussufer auf das nächste unweigerliche Hochwasser zu warten, baut, wer es sich leisten kann, im Stadtteil "Paraíso" am Stadtrand, wo gestern noch magere Kühe zwischen Termitenhügeln an trockenem Gras kauten, bescheidene Häuser aus Backstein, vier Zimmer, Wasserhahn in der Küche, Fernseher. Den Kindern soll es einmal besser gehen. Auch im dritten Band des Romanwerks, der auf dem Hintergrund der 1970er Jahre zwischen Militärdiktatur, Pop und vermeintlichem Fortschritt im brasilianischen Hinterland spielt, vermischen sich Fiktion und Erinnerung, staunende Kinderaugen und das Delirium Sterbender zu einem kraftvollen Tableau all der unspektakulären Leben, die eine Gesellschaft ausmachen..
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2017
Am Rande ihrer Begegnung mit dem brasilianischen Schriftsteller Luiz Ruffato, dessen Welterfolg "Es waren viele Pferde" gerade als Bühnenadaption Premiere in Rio de Janeiro Premiere feierte, verliert Rezensentin Martina Farmbauer auch einige Worte über den soeben auf Deutsch erschienen dritten Teil seines Romanprojektes "Vorläufige Hölle". Erzählt wird die Geschichte der Arbeiterinnen und Arbeiter in Brasilien, erklärt die Kritikerin, die den Mut des Autors schätzt, immer wieder auf die Schattenseiten seines Landes aufmerksam zu machen. Und so liest sie in dieser erneut von Michael Kegler besorgten Übersetzung die Geschichte von Millionen Menschen, die während des Militärregimes aus ihren Herkunftsregionen vertrieben wurden, von Regierung und Kultur vergessen und zu "Parias" der brasilianischen Gesellschaft wurden. Jeden Band des fünfteiligen Zyklus' kann man als eigenständigen Roman lesen, informiert die Rezensentin, die einmal mehr von Ruffatos Rhythmus und Sprache in den Bann gezogen wurde.
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