Die Zeit zwischen 1945 und 1989 ist bestimmt durch verschiedene Phasen des "Kalten Krieges". Der Ost-West-Konflikt nahm Einfluss auf alle gesellschaftlichen Subkulturen, auch auf die Kirchen. Andererseits bemühten sich die christlichen Kirchen in dem genannten Zeitraum um eine stärkere Einigung der Christenheit über die nationalen Grenzen und den "Eisernen Vorhang" hinweg. Die beiden einflussreichsten internationalen Kirchenorganisationen waren der Ökumenische Rat der Kirchen in Genf (ÖRK) und die Prager Christliche Friedenskonferenz (CFK). Der ÖRK wäre ohne das ökumenische und finanzielle Engagement des liberalen National Council of the Churches of Christ in Amerika (NCC) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nicht denkbar gewesen. Die Prager Christliche Friedenskonferenz wurde von der Sowjetunion und weiteren Ostblockstaaten finanziell unterstützt und ideologisch beeinflusst. Das Buch beschreibt den allmählichen Wandel der Kräfteverhältnisse in der ökumenischen Bewegung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2000
Frank Ebbinghaus skizziert in seiner Rezension des Bandes zunächst das Versagen des ökumenischen Protestantismus gegenüber dem Kommunismus - lange Zeit wollte der Protestantismus demnach im Kalten Krieg die Schwebe zwischen den Systemen halten, was in Wahrheit zu einer Einäugigkeit und Konzentration auf Kapitalismuskritik führte, während man den Kommunismus recht milde anfasste. Die Auseinandersetzung der Autoren des Buchs mit dem Thema liest Ebbinghaus mit gemischten Gefühlen. Er kritisiert vor allem den Beitrag von Armin Boyens über den Ökumenischen Rat und die deutsche Kirche in Ost und West, der sich allzu trocken auf reine Institutionengeschichte beschränke. Als wesentlich fruchtbarere Lektüre erscheint Ebbinghaus dagegen der Beitrag von Gerhard Besier über den US-amerikanischen Protestantismus, der jene Auseinandersetzungen leiste, die sich Boyens erspare.
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