Im zweiten Band seiner Trilogie zeigt Castells die beiden großen einander entgegen gesetzten Trends in unserer Welt: Globalisierung und Identität. Die Revolution der Informationstechnologie und die Erneuerung des Kapitalismus haben die Netzwerkgesellschaft begründet, gekennzeichnet durch die global agierende Wirtschaft, durch Flexibilisierung und Unsicherheit von Arbeit und durch eine Kultur der "realen Virtualität". Aber daneben schafft sich kollektive Identität machtvoll Ausdruck. Sie stemmt sich gegen die Globalisierung und beharrt auf kultureller Eigenständigkeit, auf Selbstbestimmung über Leben und Umwelt. Castells beschreibt und analysiert Ursprünge, Ziele und Wirkungen übergreifender Bewegungen wie Feminismus und Ökologie ebenso wie begrenzter Bewegungen, die sich auf Religion, Nation, Ethnie oder Familie beziehen.
Drei Bände umfasst Manuel Castells Studie über unsere Netzwerkgesellschaft, und Ludger Heidbrink meint, sie hätten das Zeug zum soziologischen Klassiker. Denn dem in Berkeley lehrenden Wissenschaftler sei es gelungen, ein passendes Etikett für den gesellschaftlichen Umbruch und den grundlegenden Wandel im Zeitalter von Informationstechnologien, globaler Vernetzung, der Auflösung von Nationalstaaten, dem Niedergang des Industriekapitalismus zu finden, so Heidbrink. Für ihn zeichnet Castells ein hochambivalentes Bild von der Informationsgesellschaft; wo auf der einen Seite der Datentransfer blühe und die Produktivität steige, bestünde auf der anderen Seite die Gefahr des sozialen Ausschlusses (bis hin zu ganzen Territorien). Die Politik verliere an Glaubwürdigkeit, zugleich formierten sich kraftvolle zivilgesellschaftliche Bewegungen, denen es jedoch an einer gemeinsamen Projektidentität fehle, referiert Heidbrink das Castells'sche Szenario. Trotz Materialfülle und seines kompilatorischen Charakters trage das dreibändige Buch zur Entwirrung unserer - in den Worten Castells' - "informierten Verwirrtheit" bei, schließt Heidbrink.
Die These von der in den Netzwerken verstreuten Macht gefällt Robert Misik, er hält sie aber vielleicht für ein wenig voreilig. Denn dass Macht nur mehr aus dem Computer kommen soll,, "und nicht mehr aus den Gewehrläufen", das sei zumindest fraglich. Die Spannungen zwischen dem Netz und dem Selbst sind das Thema des hier vorliegenden zweiten Bandes von Manuell Castells' groß angelegter Trilogie "Das Informationszeitalter". Drei Grundbedingungen hat der Autor ausgemacht, die die Macht ins Netz wandern lassen: die Machtlosigkeit der Staaten angesichts der Globalisierung, die Entwicklung "pluraler Identitäten" in Folge von Modernisierungsprozessen und schließlich die sogenannten "Gegenkräfte", die Sinn und Gemeinschaft vermitteln. Die Macht sei "in globalen Netzwerken von Reichtum, Information und Bildern verstreut", sie verschwinde dabei nicht, sondern ändere nur ihre "Existenzform". Für den Rezensenten "klug gedacht und schön beschrieben", er hat aber seine Zweifel, ob man diese Zukunftsvision so "apodiktisch proklamieren" darf wie Castells es tut.
Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Szczepan Twardoch: Sehnsucht Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Erwin Piontek, Bergmann im Ruhestand, geht seinen Lebenstraum - eine Weltumseglung - bescheiden an: im Boot auf einem Stausee. Doch während…