Digitaler Kolonialismus
Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406823022
Gebunden, 351 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Mit acht Karten und einer Abbildung. Der Kolonialismus im digitalen Zeitalter - wie Tech-Imperien die Welt unter sich aufteilen Innovativ, mächtig, rücksichtlos: Kaum eine Geschichte wird so oft erzählt wie die vom unaufhaltsamen Aufstieg der Tech-Konzerne an die Spitze der global vernetzten Welt. Nur ein Kapitel wird dabei ausgelassent: Der Preis, den der globale Süden dafür bezahlt. Der Tech-Journalist Ingo Dachwitz und der Globalisierungsexperte Sven Hilbig beleuchten diesen blinden Fleck und zeigen die weltweiten Folgen des digitalen Kolonialismus sowie bestehende Ansätze für eine gerechtere Digitalisierung auf. Soviel steht fest: AI will not fix it.Das Versprechen der Digitalen Revolution ist die Heilserzählung unsererZeit. Dieses Buch erzählt eine andere Geschichte: Die des digitalen Kolonialismus. Statt physisches Land einzunehmen, erobern die heutigen Kolonialherren den digitalen Raum. Statt nach Gold und Diamanten lassen sie unter menschenunwürdigen Bedingungen nach Rohstoffen graben, die wir für unsere Smartphones benötigen. Statt Sklaven beschäftigen sie Heere von Klickarbeiter:innen, die zu Niedriglöhnen in digitalen Sweatshops arbeiten, um soziale Netzwerke zu säubern oder vermeintlich Künstliche Intelligenz am Laufen zu halten. Der Kolonialismus von heute mag sich sauber und smart geben, doch eines ist gleich geblieben: Er beutet Mensch und Natur aus und kümmert sich nicht um gesellschaftliche Folgen vor Ort. Im Wettkampf der neuen Kolonialmächte ist Digitalpolitik längst zum Instrument geopolitischer Konflikte geworden - der Globale Süden gerät zwischen die Fronten.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2025
Rezensentin Ulla Fölsing findet: Dieses Buch soll gelesen werden. Denn in ihm stellen Ingo Dachwitz und Sven Hilbig dar, wie Tech-Konzerne KI und andere Innovationen dazu nutzen, die Länder des sogenannten globalen Südens auszubeuten. Fölsing fasst die Argumentation zusammen und erläutert, wie junge Menschen in Afrika und anderen wenig entwickelten Weltregionen harte Arbeit leisten, indem sie Hasskommentare moderieren oder KI-Modelle trainieren, auch die Rohstoffe der entsprechenden Gegenden werden von der westlichen Tech-Industrie gnadenlos ausgebeutet. Was also tun? Im Buch plädiert die Anwältin Renata Ávila Pinto dafür, Technologie so einzusetzen, dass Menschenrechte gewahrt bleiben, erläutert Fölsing, helfen sollen dabei internationale Abkommen. Die Rezensentin scheint sich dieser Position voll und ganz anzuschließen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2025
Rezensent Andreas Eckert erfährt in Ingo Dachwitz' und Sven Hilbigs Buch, wie große Techkonzerne neue Formen kolonialer Abhängigkeit geschaffen haben. Die Autoren zeigen, dass Techkonzerne nicht nur Rohstoffe wie Kobalt aus dem globalen Süden beziehen, sondern auch billige Arbeitskräfte ausbeuten, so der Kritiker. In Kenia und Indien schuften Content-Moderatoren als "Putzcrew des Internets", indem sie verstörende Inhalte aus Datenströmen filtern - unter prekären Bedingungen und für niedrige Löhne. Doch nicht nur Arbeitskraft und Rohstoffe werden genutzt, sondern auch der digitale Raum selbst wird kolonialisiert, lesen wir. Plattformen wie Meta profitieren von schwachen Regulierungen, während Überwachungstechnologien anderer Konzerne zunehmend Diktatoren in die Hände spielen, schreibt der Kritiker. Eckert würdigt das Buch als drängenden Weckruf zum Thema digitale Ungleichheit und Neokolonialismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025
Unbedingt lesen sollte man dieses Buch, findet Rezensent Andrian Kreye, auch wenn vieles, was in ihm steht, bereits ein Jahr nach Verfassen schon wieder veraltet ist. Denn, so Kreye, Donald Trump und Elon Musk, verwandeln die Welt derzeit in rapider Geschwindigkeit und transformieren Demokratie in Digitalindustrie. Dachwitz und Hilbig deuten laut Kreye die aktuellen Entwicklungen schon an und diagnostizieren neokolonialistische Strukturen in der gegenwärtigen Weltwirtschaft. Kurz gesagt läuft es darauf hinaus, dass Europa zwischen China und den USA aufgerieben wird, während der globale Süden ein weiteres Mal der hauptsächliche Leidtragende der laut den Autoren auch in Europa zunehmend kolonialistisch ausgerichteten Wirtschaftspolitik ist. Kreye stimmt dieser Analyse von Herzen zu.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.03.2025
Rezensentin Vera Linß entnimmt dem von Ingo Dachwitz und Sven Hilbig verfassten Band verstörende Daten und Fakten zur Ausbeutung von Arbeitern des globalen Südens durch die Tech-Konzerne. Auch wenn sie viele Fakten im Band schon kennt, erschreckt sie die schiere Menge an Geschichten, aus denen Ungerechtigkeit spricht. Wie etwa Tagelöhner in Afrika, Südamerika oder Asien für das Training von KI-Anwendungen ausgebeutet werden, erklären die Autoren laut Linß mittels alarmierenden Beispielen. Die Schilderung der prekären Arbeitsbedinungen geht der Rezensentin sichtlich zu Herzen.