Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2003
Der von Manuela Günter herausgegebene Sammelband "Überleben Schreiben. Zur Autobiographik der Shoah" zeigt nach Ansicht von Rezensent Christof Hamann eindrücklich, welche Schwierigkeiten - aber auch Chancen - ein Schreibprojekt über ein Leben auszeichnet, "das den Tod bereits hinter sich hat". Neben Texten von Primo Levi und Jean Améry stehen literarische Zeugnisse der letzten beiden Jahrzehnte von Edvardson, Ruth Klüger, Louis Begley und Roman Frister und vor allem Imre Kertész im Vordergrund, berichtet Hamann. Die Einsicht der Autorinnen und Autoren, ihrer Vergangenheit in die Augen sehen zu müssen, gewinnt durch zwei Aspekte eine eigenwillige Dramatik, referiert Hamann den gemeinsamen Nenner der Sammlung: Zum einen griffen die Erinnerungen bewusst die den Auschwitz-Diskurs jahrzehntelang kanalisierenden Normen - etwa das Problem des Bilderverbots oder der Topos der Undarstellbarkeit - auf. Zum anderen reflektierten sie die beträchtliche Anzahl von Stimmen, die Auschwitz entweder ins Vergessen oder in den Kommerz abzudrängen suchen. Der Band zeichnet sich zur Freude Hamanns durch eine Stringenz aus, "die zu der herkömmlichen Kraut-und-Rüben-Ordnung von Publikationen dieser Art wohltuend quer steht". Hamann hebt lobend hervor, dass sich zwischen den Artikeln eine anregende, teils sich ergänzende, teils sich widersprechende Kommunikation ergebe, die zeige, dass die Diskussion auf dieser Ebene gerade erst angefangen habe. Insgesamt, so der Rezensent abschließend, trägt der Band mit seinen Überlegungen dazu bei, "den Blick für das von diesen Holocaust-Texten bereitgestellte Verstehen zu schärfen".
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