Deportiert
"Immer mit einem Fuß im Grab"

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN
9783103975420
Gebunden, 368 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Mit 21 s/w-Abbildungen. Der Deportationsbefehl war unerbittlich - ein Koffer war erlaubt, es blieb kaum Zeit, um alles zu regeln und Abschied zu nehmen. Dann wurden sie aus ihrem bisherigen Leben gerissen. Ab Herbst 1941 wurden die im Deutschen Reich verbliebenen Jüdinnen und Juden systematisch "nach Osten" deportiert. Andrea Löw verwebt ihre Geschichten zu einer Erzählung, deren Lektüre die ganze Ungeheuerlichkeit des Verbrechens emotional bewusst macht. Indem sie selbst zu Wort kommen, werden die Menschen sichtbar - als Mütter, Kinder, Großeltern, als Liebende, als Junge und Alte. Sie schildern ihre Ängste und Hoffnungen, die Stationen bis zur Abreise, den Transport. Die meisten erwartete am Ziel der sichere Tod, die Überlebenden berichten von Gefangenschaft, Flucht und Rettung. Sie alle waren Menschen, die Unfassbares erleben mussten - dieses Buch bringt sie uns ganz nah, mit all ihrem Mut und ihrem Leid.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 06.08.2024
Rezensent Otto Langels erträgt die Deportationsschilderungen, die Andrea Löw aus Briefen und Tagebüchern zusammengestellt hat, nur schwer. Der "vielstimmige" Chor scheint ihm so bedrückend wie berührend. Dadurch dass die Historikerin ausschließlich die Perspektive der Verfolgten des NS-Regimes wählt und die Erfahrungen von Jüdinnen und Juden weitergibt, kann der Leser laut Langels den Zivilisationsbruch erahnen, den die Menschen erlitten. Das Prozedere der Deportationen, den Hunger, die Gewalt - wer könnte das eindringlicher bezeugen, als die Opfer, gibt Langels zu bedenken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.07.2024
Ein "Mosaik des Schreckens" ist dieses Buch der Historikerin Andrea Löw, so Rezensent Pitt von Bebenburg, aber eines, das dringend gelesen werden sollte: Sie erzählt von 300 Holocaust-Opfern und Überlebenden, von dem Unaussprechlichem, was sie erlebt haben und zieht dafür etliche Quellen heran. Deportationen, Krankheit, Tod und die Gewissheit, als einzige Person einer Familie überlebt zu haben, werden in den Berichten etwa von Edith Blau oder Hannelore Marx geschildert. Ein wichtiges Buch, resümiert Bebenburg.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2024
Eine wichtige Veröffentlichung zur Aufarbeitung des Holocaust ist dieses Buch, meint Rezensent Stephan Lehnstaedt. Andrea Löw, die am Münchner Institut für Zeitgeschichte das Holocaust-Forschungszentrum stellvertretend leitet, hat, erfahren wir, Erinnerungstexte und Tagebücher von deutschen Juden ausgewertet, die in die Ghettos und später Vernichtungslager im Osten deportiert wurden. Weniger um die konkrete Durchführung der Massenmorde geht es in diesem Buch, als um einen subjektiven Blick auf die Gewaltmaschinerie, stellt Lehnstaedt, selbst Professor für Holocaust-Studien und Jüdische Studien an der Touro University Berlin, klar. In den versammelten Texten wird viel über das Elend in den Ghettos geschrieben, fasst Lehnstaedt zusammen, die Kompilation ist gut arrangiert und stellt das Individuelle der Einzelschicksale heraus. Der Rezensent hätte gern mehr über die Unterschiede zwischen deutschen und nichtdeutschen Juden erfahren - erstere waren teils in den Ghettos vergleichsweise privilegiert und teilten gar den abschätzigen Blick der Nationalsozialisten auf die Verhältnisse im Osten. Insgesamt jedoch ein starkes Buch, das Geschichten zum Vorschein bringt, die erzählt werden müssen, schließt die Rezension.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 20.03.2024
Ein großer Teil der deutschen Juden wurde 1941/42 in von den Nazis errichteten Ghettos in Osteuropa deportiert. Die Historikerin Andrea Löw zeichnet diesen Weg mit ihrem Buch nach, erklärt Rezensent Klaus Hillenbrand. Das tut sie vor allem in Form von Augenzeugenberichten und Briefen. Fast alle glaubten, mit der Reise hätten sie das Schlimmste hinter sich, lernt der Kritiker. Doch die meisten verhungerten oder wurden ermordet. Davor erlebten sie einen "realen Albtraum" in dem die Illusionen verflogen. Die Hoffnung zu überleben aber, die blieb, liest der Rezensent.