Aus dem Französischen von Richard Gross. Als Marcel Cohen 1943 von einem Spaziergang auf dem Boulevard de Courcelles nach Hause geht, wird er Zeuge von der Verhaftung seiner Familie, die von der Polizei auf einen Lastwagen verfrachtet wird. Marcel Cohen war damals fünfeinhalb Jahre alt. Er verlor seine Mutter, seinen Vater, seine Schwester, seine Großeltern, zwei Onkel und eine Großtante, die in ein Vernichtungslager deportiert wurden. Nach siebzig Jahren geht Marcel Cohen zurück an einen Punkt, der für ihn das Ende der Welt bedeutete. Anhand einiger weniger Gegenstände und Fotos, die ihm geblieben sind, rekonstruiert er mit minimalistischen Stilmitteln in acht Porträts seine Erinnerung, ohne das Terrain der Tatsachen zu verlassen. Dabei lässt er auch einige Familienmitglieder zu Wort kommen, die bereit waren, über die Ermordeten zu sprechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.05.2014
Dieses Buch ist einmalig in der Holocaust-Erinnerungsliteratur: erst nach mittlerweile siebzig Jahren erinnert sich Marcel Cohen zurück und versucht, das wenige, was ihm an Eindrücken im Gedächtnis geblieben ist, mit akribischer Recherche der spärlichen Quellen anzureichern, berichtet Cornelia Geißler. Was lässt sich aus der Haltung schließen, die sein Vater beim Geigenspiel auf einem Foto zeigt? Beherrschte er das Instrument? Cohen erinnert sich nicht daran, ihn je spielen gehört zu haben, erklärt die Rezensentin. Nur "der leichte Taumel und die Bangigkeit", wann immer der Vater ihn schwungvoll auf seine Schultern hievte, ist ihm noch präsent und erscheint ihm rückblickend wie das größte Glück, erfährt Geißler. Dieses Buch wird niemanden unberührt lassen, glaubt die Rezensentin.
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