Aus dem Norwegischen von Julia Gschwilm. Emily ist neunzehn Jahre alt und schwanger. Ihr Freund Pablo ist vor Kurzem zur Tür hinaus, "um eine Sache zu regeln", und seitdem nur sporadisch auf dem Handy zu erreichen. Ihre Mutter, die Emily allein großgezogen hat, entscheidet sich, zu Emily in die winzige Wohnung zu ziehen, um ihr vor und nach der Geburt unter die Arme zu greifen. Dann ist da noch Emilys Nachbar, der überlegt, ob es in Ordnung ist, sich in Emily zu verlieben, obwohl er noch nie ein Wort mit ihr gewechselt hat. Und Emilys Chef im Supermarkt hat möglicherweise auch Gefühle für sie, weiß aber nicht, wie er sich bemerkbar machen soll. Emily hat sicher andere Sorgen. Oder sorgt sie sich vielleicht zu wenig?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2026
Rezensent Rainer Moritz findet eine originelle Abänderung bekannter Versatzstücke in diesem dritten Roman der norwegischen Schriftstellerin. Die 19-jährige Supermarktangestellte Emily ist im siebten Monat schwanger, der Vater des Kindes, Pablo, ist abwesend und in kriminelle Machenschaften eingebunden, erfahren wir. Darin, wie auch im Rest des Romans, sieht Moritz bekannte Motive von Klasse und Herkunft, die ihn an Texte von Elena Fischer und Caroline Wahl erinnern. Das Besondere liege hier jedoch in der allwissenden Erzählstimme, die in ironischen Brechungen das Geschehen kommentiere, ohne die Sympathie für ihre Hauptfigur zu verlieren. Dieser leichtfüßig-witzige Ton wechselt zwischen der Perspektive von Emily, Pablo und Emilys frühpensionierter Mutter und revitalisiert in seiner Anordnung der Stimmen und Nutzung von Rückblenden die ansonsten sehr geläufigen Themen, freut sich der Kritiker. Ein Roman, der kontinuierlich, einschließlich seines Endes, zu Verblüffen wisse.
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