Diener sind weitestgehend verschwunden, zumindest in menschlicher Gestalt. Längst sind die Funktionen von Kammerdienern und Faktoten, von Domestiken wie Gehilfen aller Art größtenteils an die Dinge übertragen: sei es im Haushalt, sei es im Virtuellen. Anhand von einzelnen Fallgeschichten etwa zur barocken Palastarchitektur, zu den Laboren der Experimentalwissenschaften, an Beispielen aus der Literatur wie dem digitalen Alltag zeichnet Markus Krajewski die Transformation des Dieners nach. Er legt damit zum ersten Mal eine systematische, historische Epochen wie disziplinäre Grenzen übergreifende Kulturgeschichte der Subalternen vor.
Mit Gewinn hat Jutta Person diese Mediengeschichte der Diener-Figur gelesen, mit der der Weimarer Medienwissenschaftler Markus Krajewski seine Habilitationsschrift vorlegt. Das theoretische Gerüst bildet Hegels Herr-Knecht-Dialektik, die Krajewski auf 700 Seiten an sieben Beispielen durch die Jahrhundert dekliniert. Vom Lakaien der frühen Neuzeit über den Diener als bürgerliches Subjekt bis zum heutigen Computer-Server schildere Krajewski, wie sich die Machtverhältnisse zwischen Herr und Diener immer wieder neu austarieren und der Diener zwischen den verschiedenen Sphären hin- und herschalten muss. Besonders interessant findet Person die Kapitel über die barocke Dienstbarkeitsarchitektur mit ihren Geheimgängen und Tapetentüren sowie über Dämonen und Labordiener. Allerdings beschleicht Person zum Schluss doch eine gewisse Skepsis gegenüber Krajewskis "fein gesponnenen Denkfiguren": Müsste der Autor, der mit Hegel beginnt, nicht auch zu Marx kommen? Und wo bleibt die Befreiung?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2010
Es geht um strukturelle Abhängigkeitsverhältnisse, um das Schema "Master and Servant" von der Frühen Neuzeit bis heute, da sich solche Strukturen im Bereich elektronischer Datenverarbeitung nachweisen lassen. Das Buch, eine Habilitationsschrift des Medienhistorikers Markus Krajewski, zeigt dem Rezensenten den Diener nicht vorrangig als sozialhistorisches Phänomen, sondern im Rückgriff auf literarische Quellen, auf Gebrauchsanweisungen sowie auf Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie vor allem als Medium. Besonders stark findet Felix Johannes Enzian das Buch in der Rekonstruktion räumlicher Bedingungen des Herr-Diener-Verhältnisses etwa am Beispiel der Tunnels und Tapetentüren auf Schloss Schönbrunn. Die zudem vom Autor beschriebene Wende in der Hierarchie "Mensch und Technik" kann der Rezensent nicht zur Gänze nachvollziehen. Determination und Machtausübung, meint er, sind schließlich nicht dasselbe. Die Einflussnahme der Kisten auf unseren Schreibtischen jedoch setzt ihm der Autor gewinnbringend auseinander. Auch in puncto ihrer Dienstbarkeit für die datenverarbeitende Wirtschaft.
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