Politik und Geldpolitik in Europa haben sich von den Grundsätzen verabschiedet, die in der Vergangenheit die Garanten des Erfolgs für den Kontinent waren. Die Finanzkrise und ihre nicht enden wollenden Nachbeben verleiten eine verunsicherte und überforderte Elite an den Schaltstellen der Macht dazu, ihr Heil in Staatsplanung, Intervention und Bürokratie zu suchen. Allen voran entzieht sich die Geldpolitik von Mario Draghi als Chef der Europäischen Zentralbank jeglicher Kontrolle. Auf dem Weg der Eurorettung ist sie zur ungebremsten Staatsfinanzierung degeneriert. Das Ergebnis ist absehbar: Am Horizont zeichnet sich eine monetäre Krise und Katastrophe ab, deren Entladung historisch ihresgleichen suchen wird. Die Politik des billigen Geldes hat nicht nur eine gigantische Umverteilungsmaschine von Nord nach Süd in Gang gesetzt, sondern auch die Erträge der Banken erodiert und zur massiven, schleichenden und weitgehend unerkannten Anhäufung von Risiken in den Büchern der Kreditinstitute geführt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2017
Erich Weede liest mit Interesse dieses Buch, in dem der Volkswirt Markus Krall die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als finanzpolitische Planwirtschaft geißelt: Der Preis des Geldes werde künstlich unten gehalten, die Mehrheit der Südländer im EZB-Rat bürde Deutschland und den Niederlanden Haftungspflichten für ihre eigenen Schulden auf, schade der Stabilität der Banken und müsse zwangsläufig in die Katastrophe von Deflation und oder Hyperinflation führen. Wenn der Rezensent auch Kralls Ausführungen eher schrill und polemisch als überzeugend findet, weiß er sie doch zu schätzen als Kontrapunkt gegen ein Konsensbedürfnis, das in Weedes Augen zunehmend auch die Wissenschaft infiziere.
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