Walther Rauff war Naziverbrecher, Überzeugungstäter und ein Phantom der deutschen Nachkriegsjustiz. Er war verantwortlich für die Entwicklung der Gaswagen, dem ersten systematischen Mordinstrument des Dritten Reichs, und diente auf verschiedenen Posten bei der Umsetzung des Holocaust, unter anderem als Chef des berüchtigten Sonderkommandos Palästina. Nach Gefangennahme durch die Amerikaner 1944 und erfolgreicher Flucht fand er zunächst im syrischen Geheimdienst einen neuen Arbeitgeber, um sich schließlich in Südamerika eine neue Existenz aufzubauen. Er war für den deutschen Nachrichtendienst tätig, während die bundesrepublikanische Justiz gleichzeitig nach ihm als Kriegsverbrecher fahndete. Bei seiner Beerdigung 1984 in Chile zeigten alte Kameraden den Hitlergruß. Erst zu Beginn des 21. Jh.s lüftete sich das Dunkel um seine klandestine Existenz, als Akten der CIA und des MI5 veröffentlicht wurden. Martin Cüppers schreibt die erste Biografie dieses exemplarischen deutschen Täters.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2014
Klaus-Dietmar Henke liest die Biografie über den Holocaust-Organisator Walther Rauff von Martin Cüppers mit wachsendem Abscheu. Das liegt selbstverständlich nicht an der, wie Henke schreibt, sorgfältigen, dichten Rekonstruktion dieser Nazi-Karriere durch den Autor, sondern an der zutage tretenden frankensteinmäßigen Entwicklung des Bürgers Rauff zum schrankenlos bösartigen Schlächter, die Cüppers anhand von Briefen Tonbandaufzeichnungen und Akten nachzeichnet und die dem Rezensenten Hannah Arendts "Banalität des Bösen" in Erinnerung ruft. Auch Rauffs im Band dargestellter, durch die Hilfe Geislicher und die Untätigkeit des BND ermöglichter Nachkriegsweg macht den Rezensenten fassungslos.
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