Aus dem Französischen von Mosche Kahn. Antoine ist ein Mann ohne Eigenschaften. Ganze zweimal hat er seinen ganzen Ergeiz darauf verwandt, ein bedeutender Mensch zu werden: Einmal, als er beschloss, dem Alkoholismus zu verfallen. Und ein andermal, als er sich das Leben nehmen wollte. Wegen einer "physiologischen Überempfindlichkeit" allerdings landete Antoine schon beim ersten Schluck im Krankenhaus. Danach sterben alle in seinem Umfeld wie die Fliegen -- nur Antoine bleibt auf tragische Weise heil. Deshalb versucht der Pariser Intellektuelle nun, seine Geistigkeit wie eine Krankheit auszutreiben. Indem er bei McDonalds essen geht zum Beispiel. Oder im Fitnessstudio Muskeln "als Stigma seiner Normalität" ansetzt. Aber damit fängt der ganz normale Wahnsinn erst so richtig an.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2002
Einen "umgekehrten Erziehungsroman", so Milo Rau, hat der französische Autor hier vorgelegt, und nach dieser Klassifizierung reicht er seinen Lesern und Leserinnen eine ausführliche, krause Nacherzählung der Story, nur um sie dann wissen zu lassen, dass es natürlich nicht um "die Wirklichkeit" geht, sondern um Wörter und Sätze... Deutlicher wird die Sache vielleicht, wenn er schreibt, dass Page nichts mit "Einfachheit und Lakonie" im Sinn hat, sondern eine alte französische Rhetorik bemüht, die "stilistische Emphase". Und überdeutlich wird es, wenn Rau endlich Klartext redet und Pages Roman als "Stundenbuch der Ironie und der Gedankenblitze" charakterisiert, was einen ahnen lässt, dass die Geschichte selbst die Mühe des Lesens kaum wert ist. Zur Übersetzung von Moshe Kahn äußert Rau sich nicht, aber die wenigen, von ihm vorgestellten Zitate lassen nichts Gutes ahnen.
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