Matias Faldbakken

The Cocka Hola Company

Roman
Cover: The Cocka Hola Company
Blumenbar Verlag, München 2003
ISBN 9783936738032
Gebunden, 462 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Eine Pornoproduktionsfirma als letzte Möglichkeit für ein entspanntes und unangepasstes Leben - das ist die Ausgangssituation in "The Cocka Hola Company". Die Helden des Romans sind sexbesessen oder impotent, süchtig oder abstinent. Aber sie haben ein gemeinsames Ziel: sich der herrschenden Konsenskultur zu entziehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2004

Schon nach wenigen Sätzen fällt der Name Houellebecq als Vergleichsgröße. Es verwundert kaum, liest man, wovon das Buch handelt: "Sex, Lüge und Video, von Glück, Neurose und Anarchismus". Keine vergnügliche Lektüre, aber das ist natürlich Absicht, meint Rezensent Andreas Breitenstein. Die Figuren tragen verstümmelte Namen wie Simpel oder PapaHans oder Speedo. Sie leben pornografische Existenzen, teils garniert mit doppelmoralischen Anwandlungen. Speedo verordnet sich ein "Zwangsalkoholisierungsprogramm", ein anderer, Ritmeester, isoliert sich. Ganz und gar unerziehbar ist Simpels Sohn Lonyl, ein hoffnungsloser Fall. Hoffnung allerdings, das ist ja klar, gibt es sowieso nicht in Faldbakkens Welt, die Breitenstein "monströs-zynisch" nennt. Womit er aber nichts gegen das Buch gesagt haben will, das nur in aller Klarheit vor Augen führe, dass es "kein richtiges Leben im Falschen" geben kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2004

Die Befürchtung, dass der "Ekel des Erzählers" vor der Welt und ihren Bewohnern ihn mit einschließt, stieß Klaus Ungerer von Matias Falsbakkens Roman ab und der Rezensent nutzt dieses "schale Gefühl" auch gleich für einen kräftigen Seitenhieb gegen die Popliteratur: ob man in dem, was hin und wieder für "provokant" gehalten wird, nämlich eben jene umfassende Verachtung, nicht eher einen "handwerklichen Fehler" sehen müsste, fragt er, der den Leser vom "Mitfühlen" abhalte. Im Buch des norwegischen Autors jedenfalls werde die Misanthropie auf die Spitze getrieben. Der durch und durch bösartige Simple, Führer der Vereinigung "Desirevolution", die sich dem "Überschreiten von Grenzen" verschrieben hat, quält die durch und durch unschuldige und ambitioniert langweilige "kulturpraktizierende Psychologengattin" Lexow, erzählt Ungerer. Garniert mit Orgien, Vergewaltigungen, Pornos und Beleidigungen bietet dieser "von Boshaftigkeit zerfressene Roman" eine durchaus amüsante Lektüreerfahrung, räumt der Rezensent ein.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.01.2004

Stephan Schlack ist voll des Lobes für Matias Faldbakkens "teuflisch komischen Roman", dieses "libertäre Gegenbuch zu Michel Houellebecqs konservativen Beziehungsfibeln". Denn wo der Franzose aufhöre, fange der "norwegische Jungautor" erst an, polarisiert der Rezensent: Während bei Houellebecq "die 68er-Kritik zum Porno verkommen" sei, lässt finanziert sich Faldbakkens Held Simpel seine subversiven Aktionen mit dem Geld des Pornokonzerns "Desirevolution", fasst Schlack den Stoff des Romans zusammen und. Simpel führe einen Feldzug gegen "den auf Dauer-Begeisterung eingestellten Kulturbetrieb", so der Rezensent, lande aber zunächst "auf dem Bauch" einer Textildesignerin, der er den Schriftzug "fasziNATION" auf den Bauch tätowiere. Am Ende gerate Simpel in die "Folterkammer der Faszinationskultur", nämlich in eine Talkshow, in der er zwanzig Minuten Zeit habe, sein "situationistisches Konzept" zu erklären, vermag aber gegen die 'repressive Toleranz', wie der Rezensent definiert, nur anzustottern: "Zustimmung ist der Teufel ...", zitiert der Rezensent den Helden des Romans und ist von der "skandinavischen Unschuld", mit der sich "die Ironie in ihrer vollen literarischen Potenz" zeige, ebenso angetan wie von Hinrich Schmidt-Henkels treffender Übersetzung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2003

Frank Schäfer scheint sich bei der Lektüre dieses norwegischen Bestsellers von Matias Faldbakken gut amüsiert zu haben. Die Geschichte um eine Firma, die Pornofilme produziert, und um deren Kopf namens Simpel biete dem Autor einen hervorragenden Hintergrund für die Präsentation der "anarchistischen, misanthropischen, ja Punk-Philosophie" seines Underground-Romans. Dabei gelinge es Faldbakken, das Verhältnis von gewünschter Unabhängigkeit und notwendiger Abhängigkeit vom verhassten Publikum unter die Lupe zu nehmen. Zudem sei das Ganze trotz aller zur Schau gestellten schlechten Laune mit teils trashiger Ironie garniert, was einiges zum positiven Urteil des Rezensenten beizutragen scheint.
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