Je größer der Markt der Bilder, umso sichtbarer werden die Prinzipien des Austausches, der Auswahl und Verfügbarkeit von Bildmaterial und die Zahl der Personengruppen und Techniken, die zur Entstehung einer gemeinsamen Bildsprache beitragen. Wirtschaftliche Prozesse befördern die Herausbildung eines ikonischen Sehens, das nach Gegenständen und Bedeutungen fragt und in dem das Bild nicht mehr nur Ware, sondern Währung ist - Vorgänge, die die historische Bilderproduktion und deren Ikonologienebenso geprägt haben wie die neuen Ikonologien der Massenmedien, derer sich die Kunstgeschichte verstärkt annehmen sollte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2004
Sehr aufschlussreich findet Julia Voss diese Studie des Kunsthistorikers Matthias Bruhn, die die weltweite Wirtschaft mit den in Werbung und Medien allgegenwärtigen Bildern beleuchtet. Nicht skandalträchtige Bilder wie die der Benetton-Kampagne stehen laut Rezensentin dabei im Vordergrund, sondern Bilder, die sich durch "visuelle Beiläufigkeit" auszeichnen, die man vergesse, nachdem man sie gesehen habe (etwa das rüstige alte Ehepaar auf der Parkbank, das lächelnd im Prospekt einer Versicherung wirbt). Diese "Stock photography - Vorratsfotografie" genannten Bilder lagern, geordnet nach Rubriken wie "Freizeit", "Wirtschaft" oder "Zukunft", in den Archiven der großen Bildagenturen, und Bruhn zeige, dass sie offenbar dann besonders erfolgreich sind, wenn sie mit Durchschnittlichkeit auftrumpfen. Ein Archivbild, das an vielen Stellen verwendet werden könne und zugleich den Eindruck vermittele, es sei speziell auf seinen Zweck zugeschnitten, verkaufe sich dementsprechend oft.
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