Dieses Buch geht den Spuren der Sehnsucht nach Gemeinschaft in der Kriegsliteratur der Weimarer Republik nach. "Versprengte Gemeinschaft" zeichnet die untergründige Geschichte des wirkungsmächtigsten Deutungsmusters nach, mit dem die deutsche Gesellschaft zwischen 1914 und 1933 Bilder von sich selbst entwirft. Die Rede ist von den "Ideen von 1914", die dem Krieg den Sinn geben, die deutsche Gesellschaft in eine Gemeinschaft zurückzuverwandeln. In einem Zug will sich die moderne, zerrissene und sich selbst unübersichtlich gewordene Gesellschaft mittels Krieg therapieren und ihr nationalkulturelles Profil schärfen. Nach einer Analyse der narrativen Struktur und des Radikalisierungspotentials, das in den "Ideen von 1914" von Beginn angelegt ist, rückt das Nachleben der Kernidee in den Fokus der Arbeit. Es wird untersucht, wie die Erfahrung des Krieges vor diesem Erwartungshorizont verarbeitet wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2009
Für Helmuth Kiesel ist das Buch ein Meilenstein in der Untersuchung der ideologischen Gemengelage der Weimarer Republik und der Rolle der Kriegsliteratur. Laut Kiesel erbringt Matthias Schönings Habilitationsschrift erneut den Beweis, dass die nationalistische Kriegsliteratur zwar ideologisch verfehlt war, aber dennoch einen lohnenden Forschungsgegenstand darstellt. Ihre "epochale Bedeutung" erweist der Autor ausgehend von den "Ideen von 1914". Die Kluft zwischen der politisch-proklamatorischen und der historisch-deskriptiven Ebene in den Romanen, für die der Autor Kiesel die Augen öffnet, erstaunt den Rezensenten. Kiesel erklärt sie sich mit der "Erfahrungsresistenz" der Autoren, die allerdings vermeidbar war, wie Schöning ihm am Beispiel Thomas Manns zu zeigen vermag. Dass und wie sich die "Konservative Revolution" aus Kräften der Reaktion und der Progression gleichermaßen speiste, weiß Kiesel nach dieser Lektüre besser.
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