Von Berlusconi zu Meloni
Italiens Weg in den Postfaschismus

Dietz Verlag, Bonn 2024
ISBN
9783801206857
Broschiert, 200 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Im Jahr 2022 wählte Italien Giorgia Meloni an die Macht. Der große Erfolg der neuen extrem rechten Regierungschefin, die nie ein böses Wort über Mussolini verlor und einen neuen "italienischen Stolz" propagiert, kam keineswegs aus dem Nichts. Der windige Medientycoon und Politiker Silvio Berlusconi bereitete Italien über 30 Jahre einen konsequenten Weg in den Postfaschismus. Die Popularität harter rechter Politiker:innen wuchs und ist bis heute ungebrochen. Wie lässt sich das erklären? Was heißt das für Italiens Demokratie? Wie wirkt sich das auf die Zukunft Europas aus?Als "Underdog" habe sie den Aufstieg geschafft, erklärte Meloni und spielte damit auf ihre radikal rechten Wurzeln an. Doch ein Underdog war sie nie. Allerdings ließ sich ein Großteil der italienischen Wählerinnen und Wähler früher als in anderen westeuropäischen Ländern davon überzeugen, dass das "Establishment" der wahre Gegner sei. In der zweitgrößten Industrienation der EU stagnieren seit Jahren Wirtschaft und Produktivität, die Realeinkommen sinken, junge Menschen verlieren die Perspektive. Bekommt Italien sie mit dem Motto "Gott, Vaterland, Familie!" zurück?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2025
Ein insgesamt starkes Buch, das an einigen Stellen nicht genau genug argumentiert, hat Michael Braun laut Rezensent Thomas Jansen geschrieben. Es beschäftigt sich, lesen wir, mit einem hierzulande wenig bearbeiteten Thema: der jüngeren italienischen Politik, genauer gesagt, dem Aufstieg Giorgia Melonis, der während der Regierungszeit Silvio Berlusconis begann. Mit Braun rekapituliert Jansen die Stationen dieses Aufstiegs, der möglich wurde, da Berlusconi die Brandmauer zu den Postfaschisten, denen Meloni angehört, niederriss. Braun stellt die ersten Regierungsjahre Melonis angemessen differenziert dar, findet Jansen, allzu weit geht Meloni bislang noch nicht bei ihren Versuchen, die liberale Demokratie einzuschränken. Braun zufolge hat sie aber durchaus entsprechende Ziele, referiert Jansen, der an dieser Stelle kritisch anmerkt, dass der Autor nicht klar genug die Grenzen der Macht Melonis benennt. Auch fehlt eine Definition des Begriffs Postfaschismus, moniert er, was die Reichweite der Analyse einschränkt. Insgesamt jedoch fällt das Fazit über dieses keineswegs alarmistisch geschriebene Buch positiv aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024
Rezensent Stefan Ulrich fühlt sich von Michael Brauns Buch gut informiert über den italienischen Rechtsruck. Braun, der als taz-Korrespondent in Italien arbeitet, berichtet kenntnisreich und ohne Panikmache von den Entwicklungen in der italienischen Politik, in den Ausführungen bekommt auch die oft schwach agierende Linke Kritik ab, zentral geht es jedoch um den Aufstieg der Rechten nach dem Zusammenbruch des alten Parteiensystems nach 1989. Wie Silvio Berlusconi so lange so erfolgreich sein konnte, allen Skandalen zum Trotz, versteht Ulrich auch nach der Lektüre des Buches nicht ganz. Die raschen Umschwünge in der Wählergunst wiederum erkläre Braun mit den ökonomischen Sorgen der Italiener, die derzeit auf Meloni setzen, deren Politik von Braun ambivalent bewertet wird: So radikal wie befürchtet agiert die Regierungschefin bislang gerade außenpolitisch nicht, sie steht an der Seite der NATO, aber gleichzeitig versucht sie, das Land Stück für Stück in ihrem Sinne umzubauen. Wie erfolgreich sie damit sein wird, steht laut Ulrich, Braun zusammenfassend, noch in den Sternen. Außerdem widerlegt Braun, lesen wir, einige Mythen, die Meloni über sich selbst verbreitet - so ist die Politikerin etwa keineswegs der politische Underdog, als den sie sich gerne inszeniert. Lediglich einen Blick über die Grenze hinsichtlich möglicher Auswirkungen der italienischen Politik zum Beispiel in den USA und in Frankreich hätte der Rezensent sich noch gewünscht, ansonsten gefällt ihm das Buch sehr gut.