Manchmal geschieht etwas nicht Vorhergesehenes, das uns freut. Manches Unvorhersehbare aber stört, erschreckt oder vernichtet uns sogar. Glück und Unglück sind Spielarten des Zufalls. Dass uns Zufälle passieren, zeigt, dass menschliche Macht begrenzt ist. Unsere moderne Welt der Wissenschaft und Technologie aber ist so eingerichtet, dass Grenzen der Macht als Mängel erscheinen. Der Mensch will sein Glück planbar machen, damit es nicht nur Glück ist, und er versucht, das Pech auszuschließen oder sich zumindest dagegen zu versichern. Denn es fällt ihm schwer, die Ordnung der Dinge als etwas zu akzeptieren, das fast nie mit seinen eigenen Interessen und Wünschen zu tun hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006
"Klug" und bisweilen sogar "tiefsinnig" sind Michael Hampes Gedanken und Beobachtungen zum Phänomen des Zufalls, findet Michael Schefczyk. Aufschlussreich findet er den Hinweis auf den Unterschied von Außen- und Innensicht. Aus der persönlichen Wahrnehmung heraus erschienen objektiv zufällige Ereignisse und Begegnungen nämlich keineswegs als "sinnlose" Erfahrungen. Vielmehr würden sie im Nachhinein "metaphysisch verbrämt", also mit Sinn aufgeladen. Michael Hampes stets anregende Reflexionen, lobt der Rezensent, treten nicht als kontingente Abhandlung auf und sind zudem gut lesbar geschrieben. Als kleinen kritischen Hinweis fügt er noch an, dass der eine oder andere Hinweis zur Verwendungsweise von Begriffen wie etwa "Vorsehung" doch hilfreich gewesen wäre, um Missverständnisse auszuschließen.
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