Spätestens bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking im Sommer 2008 wird sich zeigen, dass China inzwischen in die vorderste Reihe der großen Nationen aufgerückt ist: Die Wirtschaft wächst Jahr für Jahr um rund zehn Prozent. Über die Hälfte aller Kameras in der Welt stammt inzwischen aus China, 30 Prozent aller Klimaanlagen, 25 Prozent aller Waschmaschinen. Jedes Jahr schlagen die Häfen zwischen Tianjin und Shenzhen mehr Container um als je zuvor. China kauft sich einen Transrapid, schickt seine Astronauten in den Weltraum und durfte schon bald Japan als exportstärkste Nation Asiens ablösen. In China zu leben aber heißt für viele der 1,3 Milliarden Bewohner des Landes: Ewiges Gedränge, Krach, Konkurrenzkampf. Der Druck ist enorm. Wer nicht wendig, fleißig oder gesund genug ist, kann leicht abgehängt werden, und Mitleid von anderen ist kaum zu erwarten. China erscheint dem westlichen Beobachter vor allem als eine Gesellschaft im Stress.
Als ebenso kurzweilig wie facettenreich schätzt Sven Hansen dieses Buch über das "andere China", das Andreas Lorenz und Jutta Lietsch vorgelegt haben. Es bietet zu seiner Freude nicht nur Hintergründe zum seit zwei Jahrzehnten anhaltenden Wirtschaftsboom Chinas und den damit einhergehenden Veränderungen der chinesischen Gesellschaft, sondern auch viele aufschlussreiche Einblicke in Lebenswirklichkeit und Einstellung der Menschen. Er hebt hervor, dass die Autoren auf ihren zahlreichen Reisen vielen Menschen begegnet sind, die sie hier zu Wort kommen lassen, die das China hinter der schönen Fassade repräsentieren: Wanderarbeiter, Aidsaktivisten, Untergrundchristen, Studenten und Rechtsanwälte. Daneben berichten aber auch KP-Funktionäre und Angehörige der Mittelschicht. Hansen bescheinigt den Autoren, "ungewohnte Perspektiven" auf das Land der Mitte zu eröffnen. Sein Fazit: "lesenswert".
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