Die Aufklärung ist in Gefahr. Die Vermarktung von Information und Kommunikation hat Fehlinformationen profitabel gemacht, die Öffentlichkeit ist zu einem Raum der Täuschung und Aufwiegelung geworden. Eine zunehmende und ungehemmte Ausbreitung von Grausamkeit und Gewalt scheint die Folge zu sein. Michael Hampe überlegt in diesem Buch, ob ein neues Verständnis von "Selbst" und "Freiheit" auch zu einer Erneuerung der Aufklärung beitragen kann. Und ob Erziehung Menschen so zu verändern vermag, dass sie der Erosion der aufgeklärten Kultur etwas entgegensetzen und aufgeklärte Lebensformen begründen.
Rezensent Björn Hayer kann Michael Hampes Buch einiges abgewinnen, zumindest wenn er es als Plädoyer liest: denn der Philosoph setzt sich darin für eine "antianthropozentrische" (Hampe) Neuauflage der Aufklärung ein und sieht einen Anfang dafür in neuen Schulen: weg vom kapitalistischen Konkurrenz- und Fortschrittsdenken hin zu einer "ethisch-politischen Gemeinschaft" bzw. ultimativ zu einem selbstorganisierten "planetarischen Kollektiv", liest Hayer. So weit, so lobenswert, meint der Kritiker, hat aber mit den argumentativen Herleitungen und Thesen so seine Probleme: die Erosion von Vernunft und Dialogbereitschaft etwa in den Sozialen Medien und im kapitalistischen Egotrip zu suchen, ist für Hayer nichts Neues, und mindestens zweifelhaft findet er etwa die Deutung von Kriegen als "Sehnsucht nach Intensität" und andere "unausgegorene" Thesen. Ein Buch, das eine wichtige Debatte anstößt, sich dabei aber etwas zu sehr in "luftig-philosophischen Pirouetten" verliert, meint Hayer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2025
Der Philosoph Michael Hampe macht sich Gedanken, wie die Aufklärung aus ihrer momentan prekären Lage herauskommen kann, erklärt Kritiker Guido Kalberer. In seinem "scharfsinnigen" neuen Buch geht es Hampe um Folgendes: Der Westen sei im Begriff, zivilisatorische Errungenschaften in Gefahr zu bringen, dem setze der Autor die drei Begriffe Wahrheit, Selbst und Fortschritt entgegen. Kalberer liest, dass er, statt Wahrheit als einzelnen Block zu begreifen, dafür plädiert, von Wahrheitspraktiken zu sprechen, die in der Geschichtswissenschaft anders seien als in der Medizin. Auch das Selbst müsse als veränderlich und der Fortschritt als Reduktion des Negativen begriffen werden. Der Forderung des Autors, die anthropozentrische Weltsicht aufzugeben, kann sich der Rezensent angesichts der vielen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, zum Beispiel dem Klimawandel, nur anschließen.
In seinem aktuellen Buch untersucht der Philosoph Michael Hampe die "Krise der Aufklärung". Im FAZ-Gespräch mit Fabian Ebeling blickt er besorgt auf die Bürokratisierung und Uneinigkeit in Europa - vor allem mit Blick auf die "neoreaktionäre Revolution" in den USA: "Sie knüpfen an die konservative Revolution an, die den Faschismus in Deutschland vorbereitete. Die Bewegung der Aufklärung hat dagegen im neunzehnten Jahrhundert erkannt, dass Wissenschaft keine absoluten Gewissheiten kennt. Das ist jedoch bis heute nicht ganz in der Öffentlichkeit angekommen, was in den Vereinigten Staaten von Leuten wie Elon Musk ausgenutzt wird. Paul Feyerabends 'anything goes'-Relativismus wird von rechts so ausgelegt, dass jede Behauptung gilt und nicht, dass jede geprüft werden muss. Jeder soll zu Recht behaupten können, die Erde sei flach oder stehe im Mittelpunkt des Universums." Unser Resümee
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