Michael Ritter

Zeit des Herbstes

Nikolaus Lenau. Biografie
Cover: Zeit des Herbstes
Deuticke Verlag, Wien 2002
ISBN 9783216305244
Gebunden, 382 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Nikolaus Lenau (1802 - 1850) ging als Dichter des Weltschmerzes, als Melancholiker, als einer, der gegen die politischen Strömungen seiner Zeit auftrat, als Ungar, als Naturlyriker, und welche Attribute ihm sonst noch zugeordnet wurden, in die (Literatur)Geschichte ein. Wie sehr dieses Bild, das sich eigentlich aus vielen einzelnen Mosaiksteinchen zusammensetzt, stimmt, kann in der vorliegenden Biografie nachgelesen werden. Lenau war nicht nur der sensible Dichter empfindsamer Reime, viele Seiten seines Lebens sind auch sehr handfest und reichen bis hin zum Skandalösen. So findet sein Verhältnis zu Sophie von Löwenthal ebenso Erwähnung wie seine Auseinandersetzungen mit der österreichischen Zensurbehörde. Außerdem erscheinen in dieser Biografie bislang unveröffentlichte Quellen, etwa die Briefe der Eltern Lenaus oder unselbstständige Publikationen von Freunden und Bekannten über den Dichter.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2002

Wolfgang Schneider hält Michael Ritter "Zeit des Herbstes" zunächst einmal für ein verdienstvolles Buch, da es seit 150 Jahren die ersten gründliche Biografie Nikolaus Lenaus sei, der "wie kaum ein anderer Dichter im Schmerz der Welt wühlte". In seiner Rezension zeichnet Schneider selbst vor allem Lenaus Leben ausführlich nach, dessen Alltag, abgesehen von seiner Liebe zu Sophie von Löwenthal, "Kopfschmerz, Reizbarkeit, Magenleiden, rheumatische Verstimmungen, Appetitlosigkeit, zu flacher Schlaf, Schweißausbrüche und, ganz garstige stockfinstere Gedanken' bestimmten, wie der Biografie offenbar zu entnehmen ist. Doch dass Ritter Lenaus Leben mit großer Genauigkeit erschließe, ist dem Rezensenten nur ein bedingtes Lob wert. Zwar erfahre man von jeder beiläufigen Bekanntschaft, jeder Querele mit der Zensur und sogar den Namen von Lenaus Tabakhändler, doch darüber hinaus bleibe vieles im Vagen: Charakterisierungen, die geistige Tektonik der Epoche und vor allem die literaturhistorische Einordnung des Werkes. Die wolle Ritter zwar auch gar nicht leisten, räumt Rezensent Schneider ein, sondern eine zuverlässig recherchierte Lebensgeschichte. Aber, fragt Schneider, "was ist das Leben eines Schriftstellers ohne sein Werk?"

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.08.2002

Rezensent Alexander Kissler zeigt sich maßlos enttäuscht über Michael Ritters Lenau-Biografie. Biografie? Genau genommen ist das, was Ritter fabriziert hat, gar keine Biografie, sondern eine Chronik ohne jede biografische Ambition, findet Kissler. Öde erzählt Ritter jeden Tag aus Lenaus Leben nach, und zwar "ohne jeden stilistischen Ehrgeiz", kritisiert Kissler. Zwar kenne der Autor, Redakteur des "Lenau-Jahrbuches", jede Person, die Lenaus Lebensweg einmal kreuzte, mit Namen, er vergesse keinen Schullehrer, nicht den Heidelberger Tabakhändler und auch nicht Jugendfreund Anton Keiller aus Schmölnitz in Oberungarn. Doch in solch "steriler Enumeration" erschöpft sich für Kissler dann auch die Leistung dieses "ungelenken Buches". Vor allem stört Kissler, dass Ritter das Besondere an Lenaus Leben einebnet, das Konventionelle dafür breit ausgewalzt. Am Ende stehe Lenau in der langen Reihe "historischer Persönlichkeiten", "von denen bekannt ist, dass sie bekannt sind", schließt der von der Lektüre frustrierte Rezensent.
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