Mariam Kühsel-Husseini

57

Roman
Cover: 57
Europa Verlag, München 2023
ISBN 9783958906099
Gebunden, 386 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

"57" erzählt vom Deutschland der Nachkriegszeit: von der Stunde Null, die man nicht atmen ließ, von Ruinen, die sich in Glas verwandeln, von amerikanischen Komplexen. Was absurd erscheint, beginnt sich mit der Niederlage abzuzeichnen: Kern und Wesen der Menschen sollen nach und nach überformt, ihre Geschichte eingefroren, ihre Sehnsucht gekauft werden. Es ist der große Neustart in eine Welt der Tarnung im Mantel der Demokratie, abgesprochener Lügen und künstlicher Politik. Die Verbrechen, die in den deutschen Konzentrationslagern begangen wurden, sollen nicht zur Läuterung der Deutschen, sondern zu ihrer Einschüchterung führen. Verbrechen, die schon der Vorläufer dieses Buches, EMIL, eindringlich und beunruhigend in den frühen Lagern von SA und SS entfaltete. Verbrechen, die auch 57 benennt, verurteilt und in ihrer Hässlichkeit zur Sprache bringt. Jedoch: Im unermesslichen Strudel der Geschichte dieser Welt beginnt sich das Wort Schuld aus seiner rein deutschen Physiognomie zu befreien und sich an allen erdenklichen Plänen, Herkommen und Nuancen zu entzünden - eine Enzyklopädie der Schuld erstreckt sich, unabhängig von Geografie und Geschehen, eine Schuld, die tief im Menschen selbst sitzt und nur im Fokus ständiger, schuld-intrigierender Spiegelungen ihre Wahrhaftigkeit behält.Mit dem ersten Gestapo-Chef Rudolf Diels, der ein Jahr nach Amtsantritt, 1934, die Polizeizentrale für Himmler und Heydrich räumen musste und dessen Verfolgung durch die SS ebenda begann, offenbart sich ein bislang unter Verschluss gehaltenes Leben für die Menschlichkeit, für die Liebe und für den Rechtsstaat.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.09.2023

"57" heißt dieser Roman von Mariam Kühsel-Hussaini, weil sein Protagonist Rudolf Diels 1957 kurz vor seinem 57. Geburtstag gestorben ist, erfährt Rezensent Alexandru Bulucz, der Diels schon aus Kühsel-Hussainis vorherigem Roman kennt. Diels war der erste Chef der Gestapo und damit faschistischer Karrierist, das kommt aber bei der Autorin so gar nicht rüber, bemängelt Bulucz, der ihr "Geschichtsklitterung" und "-revisionismus" vorwirft. Für ihn ist sie allzu nah an Diels eigenen Schilderungen seiner vermeintlichen Unschuld dran und entschuldigt seine ideologischen Überzeugungen. "Unverhohlen affirmativ" ist das dem Gestapo-Chef gegenüber, hält der Kritiker fest, ihm scheint, sie wünscht sich einen zweiten Historikerstreit, der Diels von Schuld freispricht. Schade, denkt der Kritiker, der Kühsel-Hussaini einen wunderbaren Schreibstil attestiert, der hier allerdings vom Inhalt ganz und gar überdeckt werde.

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