Lujo Brentano (1844-1931) war einer der populärsten deutschen Nationalökonomen seiner Zeit. Dagegen ist sein ökonomisches Werk von der dogmenhistorischen Forschung unbeachtet geblieben. Ist Brentano als Ökonom zu Recht der Vergessenheit anheim gefallen? Inwiefern lässt sich überhaupt von einer ökonomischen Lehre Brentanos sprechen, und welche Schlüsse sind daraus für die deutsche Nationalökonomie der Kaiserzeit zu ziehen? Dies sind die Fragen, denen Michael Seewalds Untersuchung nachgeht. Der Fall Brentano verweist auf eine kulturelle Grundbedingung ökonomischer Theoriebildung: Ökonomische Zusammenhänge sind nicht naturgegeben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2011
Rundum glücklich ist Nils Goldschmidt mit Michael Seewalds Dissertation über Lujo Brentano (1844 bis 1931), der neben Gustav Schmoller und Adolph Wagner zu den bedeutendsten Nationalökonomen seiner Zeit zählte. Dennoch fristete Brentano in der ökonomischen Theoriegeschichte bislang eher ein Schattendasein. Seewalds Verdienst sieht der Rezensent nicht zuletzt darin, diesen Zustand zu beenden. Er attestiert dem Autor, die Bedeutung Brentanos als Ordnungsökonom darzulegen und ihn schlüssig in die Geschichte ökonomischer Theorien einzuordnen. Überzeugend findet er auch die Darstellung der verschiedenen Phasen von Brentanos Werk. Deutlich wird für ihn insbesondere die Nähe zum ordoliberalen Denken der Freiburger Schule. Goldschmidt lobt die Arbeit als profund und gut zu lesen. Besonders angetan zeigt er sich davon, dass Seewald immer wieder Bezug auf die literarischen Klassiker der Zeit nimmt und Parallelen zu Fragestellungen der Ökonomie sichtbar macht.
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