Nahezu wöchentlich werden wir Zeugen, wie der IS antikes Erbe zerstört. Zugleich zerschlägt er die Ordnung, die nach dem Ersten Weltkrieg die Siegermächte entworfen haben. Doch die Geschichte zitiert sich nur selbst. Der IS tut nur das, was antiimperiale Akteure immer wieder getan haben: Ordnung umstürzen und Erinnerung auslöschen. Werden sich auch die selbsternannten Kalifen des IS zu Herren eines neuen Imperiums aufschwingen? Und was geht der Welt mit der Auslöschung zentraler Erinnerungsorte wie etwa Palmyra und Hatra verloren? Michael Sommer zeigt, wie die Menschen zwischen Mittelmeer und Tigris sich in den großen Reichen einrichteten, indem sie sich deren Religion, Kunst, Architektur und Recht aneigneten. So gedieh ein kosmopolitisches Milieu relativer Toleranz. Doch die Macht hat auch eine dunkle Seite: Imperien sind stets Kreaturen von Chaos und Gewalt, die erst die Voraussetzungen für ihre Existenz schaffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2017
Christian Meier macht deutlich, dass Michael Sommers Buch auch ohne die Zerstörungswut des IS seine Berechtigung hat. Die im Buch des Althistorikers beschriebene 2000 Jahre alte Welt hat laut Meier alle Aufmerksamkeit verdient. Wenn Sommer also eine Ereignis- und Strukturgeschichte des antiken Syriens schreibt und mit methodologischen wie geschichtstheoretischen Überlegungen "elegant" anreichert, ist Meier ganz Ohr. Das Wirken der verschiedenen Kräfte in der Region über Jahrhunderte, die Integration unterschiedlicher kultureller und politischer Einflüsse sowie die Strategien "kosmopolischer Netzwerker" wie des Palmyreners Odaenathus um 260 vermag der Autor dem Rezensenten auf faszinierende Weise nahezubringen.
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