Michael Tomasello

Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens

Cover: Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518586150
Gebunden, 256 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Schröder. Werkzeuggebrauch oder Kultur? Sprache oder Religion? Spätestens seit Darwin steht die Frage im Raum, was den Menschen von anderen Tieren unterscheidet. In seinem neuen Buch, Quintessenz seiner langjährigen Forschung, präsentiert Michael Tomasello eine faszinierende Antwort: Es ist das auf Kooperation ausgerichtete soziale Verhalten, das den Sonderweg des Menschen in der Evolution ebnete die Tatsache, dass unsere Vorfahren irgendwann einmal damit begonnen haben, ihre Köpfe zusammenzustecken, Ziele gemeinsam auszuhecken und zu verfolgen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.11.2014

Katharina Granzin stochert mitunter im Nebel bei der Lektüre, da Michael Tomasello zwar ein großer Geist auf dem Gebiet der evolutionären Anthropologie ist, aber ein lausiger Stilist. Laut Granzin wirkt sich das auf die Argumentation aus und lässt sie, nun ja, etwas weniger zwingend erscheinen, als es vielleicht sein sollte. Schließlich möchte der Autor in seinem Buch von ihm bereits anderswo getrennt Gesagtes und Benanntes hier thematisch zusammenführen, erklärt die Rezensentin. So soll es sein, meint Granzin, auch wenn nicht alles neu ist, was Tomasello hier über die sozialen Triebenergien der Evolution vorbringt. Doch dazu, findet sie, sollen sich der Autor und sein Lektor nächstens etwas mehr anstrengen, damit der Funke auch wirklich überspringt und ein "hochspekulatives" Terrain wie die evolutionäre Kognitionswissenschaft etwas Form gewinnt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014

Das Buch des Anthropologen Michael Tomasello reizt den Rezensenten Dominik Perler zum Widerspruch und zum Nachdenken und findet schon deshalb seinen Zuspruch. Dass die Überwindung der egozentrischen Sicht und das Bewusstsein für eine Perspektivenvielfalt ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen ist, kann Perler bei Tomasello lernen und nachvollziehen, da der Autor ihm Fallstudien aus der Verhaltensforschung plus originelle evolutionstheoretische Erklärungen liefert, etwa mit der Beobachtung dreijähriger Kinder beim Spielen oder anderem Sozialverhalten. Über die Involviertheit von Sprache bei diesem Evolutionsgeschehen, aber auch darüber, wie genau und in welcher Reihenfolge der Mensch das gemeinsame Handeln und die Perspektivenvielfalt entwickelte, würde der Rezensent mit dem Autor gerne streiten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014

Mit offenkundigem Interesse hat Rezensent Hans Bernhard Schmid die nun auch auf Deutsch erschienene "Naturgeschichte des menschlichen Denkens" des am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie tätigen Michael Tomasello gelesen. Er erfährt hier, dass laut Tomasello der Sinn für Kooperation den menschlichen Geist vom nichtmenschlichen Primatengeist unterscheidet und darin auch der Grund für die Begrenzung der Sprache auf den Menschen zu finden ist. Aufmerksam folgt Schmid in diesem knappen, aber äußerst gelehrsamen Band Tomasellos "Hypothese der geteilten Intentionalität", die im Übergang zur kollektiven Intentionalität die Standards für Denken und Handeln bestimmt. Nicht zuletzt lobt der Kritiker den informierten Umgang des Autors mit den politischen Programmen der soziologischen Theorie und würdigt dieses Buch als Anstoß für eine allgemeine, naturalistische Kultur- und Gesellschaftstheorie.

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