Michel Jean erzählt in Atuk aus ihrer Perspektive die Geschichte seiner Großmutter Jeannette, die neben seiner Urgroßmutter Almandra, seiner Kukum, die zweite starke Frau der Familie Siméon war, deren ursprünglicher Name Atuk lautete. Durch ihre Heirat mit einem Mischling, der als Weißer gilt, verliert sie nach dem Indianergesetz ihren Status als Indianerin, muss das Reservat verlassen und in die Stadt ziehen, wo sie elf Kinder großzieht. Aufgrund dieser Situation wächst auch Michel Jean in der Stadt auf, außerhalb der Innu-Gemeinschaft. In einem zweiten Strang erzählt er, wie er seine Familie und seine Kultur entdeckt und sich nach und nach seiner Identität als Innu bewusst wird, ein schwieriger Prozess, in dem er auch immer wieder rassistischen Anfeindungen ausgesetzt wird. Über sein Volk und seine Familie zu schreiben wird für ihn zu einer Möglichkeit, seine und die Geschichte seines Volks, dessen Sprache zu lernen ihm verwehrt war, kennenzulernen und sich mit ihr zu identifi zieren und die Geschichte der Ureinwohner zu erzählen, die in den Geschichtsbüchern so gut wie nicht vorkommt.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper findet instruktiv und wichtig, dass Michel Jean sich in seinem Buch mit seiner Familiengeschichte und seiner Abstammung von den Innu auseinandersetzt. Das Buch, mit dem der Autor 2012 als einer der Ersten überhaupt einen Blick auf Kanadas mittlerweile als "kultureller Genozid" anerkannte Unterdrückung der autochthonen Völker warf, ist zur einen Hälfte eine fiktive Reise in die Vergangenheit von Jeans Großmutter, einer Innu, und zur anderen Hälfte eine autobiografische Auseinandersetzung des Autors mit seiner Vergangenheit und Identität, zu der er erst wieder beim Begräbnis der Großmutter in Kontakt geriet, wie Wüllenkemper erklärt. Wie Jean auf Basis "sorgfältiger genealogischer und historischer Vorarbeit" in das Nomadenleben seiner Großmutter eintaucht, findet der Kritiker spannend (nur in die erste Liebesszene zwischen Großmutter und Großvater hätte für seinen Geschmack etwas weniger tief eingetaucht werden können), ebenso wie die Fragen, die der Autor an sich selbst stellt: identifiziert er sich nach jahrelanger Sozialisierung in der "Mehrheitskultur" als Innu? Bis auf einige schiefe Formulierungen in der Übersetzung von Michael von Killisch-Horn eine "sehr gut komponierte" und lebensnahe Geschichte über die Folgen von Kanadas "fehlgeleiteter Minderheitenpolitik", schließt der Kritiker anerkennend.
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