Sind Flüsse Lebewesen?

Ullstein Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783550202506
Gebunden, 416 Seiten, 29,99
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Frank Sievers und Andreas Jandl. Robert Macfarlane geht einem umwälzenden Gedanken nach: Sind Flüsse eigenständige Lebewesen - und haben sie Rechte?Seine Antwort lautet ganz klar: Ja, so ist es! Robert Macfarlane erkundet neue Möglichkeiten, über die majestätische und geheimnisvolle nicht-menschliche Welt zu denken und - ebenso wichtig - zu fühlen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2025
Nicht allzu viel weiter wird dieses Buch das Anliegen seines Autors bringen, mutmaßt Rezensent Philipp Schröder. Robert Macfarlane, der schon viel zu Naturthemen publiziert hat, widmet sich hier Flüssen, die, wenn es nach ihm geht, den Status von Rechtspersonen erhalten sollen. Den Wunsch kann Schröder nachvollziehen, wenn er bei Macfarlane über Flüsse etwa in Ecuador schreibt, die von Menschen ausgebeutet werden - das Problem, dass am Ende doch wieder Menschen für die Flüsse werden sprechen müssen, wird der Autor freilich nicht los. Vor allem jedoch ärgert sich der Rezensent über die arg blumige Prosa, wenn Kolibris mit Schokoladenverpackungen flirten und der Geburtsvorgang als Tauchabenteuer beschrieben wird, ist Schröder raus. Das Bewahrenswerte an der Natur kann Macfarlane durchaus aufzeigen, schließt die insgesamt negative Besprechung, mit der sprachlichen Form, die der Autor wählt, tut er sich hingegen keinen Gefallen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 21.06.2025
Rezensent Samuel Hamen widmet Robert Macfarlanes neuem Buch über die momentane Lage dreier Flüsse eine ausführliche Besprechung: Der ecuadorianische Río Los Cedros, die "Wasserstadt" Chennai und der kanadische Muteshekau Shipu sind alle in Schwierigkeiten - menschengemachten Schwierigkeiten, versteht sich. Macfarlane schreibe von Industrieabwässern, die ungehindert fließen, von Konzernmächten, aber auch von Gerichtsurteilen zum Naturschutz. Besonders die Passagen, die in Kanada spielen, findet Hamen eindrucksvoll, der Autor verliert sich darin ganz in den vielfältigen Eindrücken der Natur, mit Bergen, die wie "Inseln aus Bronze" wirken und "frei im Tintenschwarz schweben". Der Text vollziehe "Pendelbewegungen" zwischen den Erfolgen des Naturschutzes und den weiterhin lauernden Bedrohungen, das mache auch die ausgewogene, lebendige und präzise Sprache Macfarlanes deutlich. Für den Kritiker ein beeindruckendes Beispiel für gelungenes Nature Writing, das ihm die Dringlichkeit der Frage deutlich macht, ob Flüsse Lebewesen sind.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 31.05.2025
Robert Macfarlane kennt Rezensent Wieland Freund als einen der profiliertesten Vertreter des Nature Writings, in diesem neuen Buch geht es ihm um die Frage, ob Flüsse Lebewesen sind. In der Prosa kann man "wie in einem Fluss baden", versichert Freund, Macfarlane reist an den Rio Los Cedros in Ecuador, dessen Rechte sogar in der ecuadorianische Verfassung verankert sind, nach Chennai in Indien und an den Magpie River in Quebec, um zu zeigen, dass Flüssesterben auch Städtesterben bedeutet. Zudem eruiert er, ob es Sinn macht, Flüsse in das Raster der menschlichen Rechte zu pressen oder ob es dafür nicht eine eigene Kategorie bräuchte - für den Kritiker ein im besten Sinne mäanderndes Buch, das neue Gedanken über Flüsse anregt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 31.05.2025
Ein eindringliches Buch über Flüsse als Lebensräume hat Robert Macfarlane laut Rezensentin Susanne Billig geschrieben. Konkret geht es um den Río Los Cedros in Ecuador, Flüsse im indischen Chennai und den kanadischen Magpie River, außerdem begegnen wir Aktivisten und indigenen Dichtern, die für den Erhalt der Flüsse kämpfen, oder sich gar dafür einsetzen, dass sie als juristische Personen anerkannt werden. Freilich erfahren wir, setzt die Rezension fort, auch viel über die Gefahren, denen Flüsse aufgrund von Umweltverschmutz ausgesetzt sind, in Indien, wo im Wasser teils gar kein Leben mehr möglich ist, aber auch in England. Ökologie und indigenes Wissen sind Quellen, aus denen Macfarlane schöpft, lesen wir, es geht darum, die Natur wieder zu respektieren, dankbar für sie zu sein und sie womöglich mit Rechten auszustatten, was durchaus als konkreter politischer Kampf gedacht ist. Billig scheint sich Macfarlanes Position weitgehend anzuschließen.