Es macht einen Unterschied, ob Zeitlichkeit im Medium der Schrift oder im Medium des Bildes verhandelt wird. Deleuzes Nachdenken über Zeitlichkeit ändert sich in den 80er Jahren radikal. Vorbild wird - nach der Literatur - nun das Kino: Hier können Sinnsukzession und -simultaneität getrennt und doch parallel zueinander inszeniert werden durch asymmetrischen Gebrauch von Bild- und Tonspur. Das Sagbare (Tonspur) artikuliert seinen Sinn sukzessiv und trennt das Aktuelle scharf vom Virtuellen. Diese Trennung macht allerdings im Bild keinen Sinn. Das Sichtbare (Bild) kann simultan Sinn und Gegensinn enthalten (qua Schärfentiefe, Bildmontage etc.).
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2003
Mirjam Schaub, erklärt der Rezensent Michael Mayer eingangs, habe parallel zu "Gilles Deleuze im Kino" eine zweite Studie über den französischen Philosophen veröffentlicht, in der sie aus seinem Frühwerk sehr überzeugend die Suche "nach der Möglichkeit einer anderen Zeit, die mit der Ordnung chronologischer Zeit bricht" herauszufiltern - einer Zeit, in der "Vergangenes, Gegenwärtiges, Zukünftiges" koexistieren könne. Das Kino nun, so die zentrale These von Schaubs Abhandlung zu den beiden Filmbüchern Deleuzes, wurde für den Philosophen zum Experimentierfeld einer solchen Suche, "zum privilegierten Ort der Erfahrung jener anderen Zeit". Der Film nämlich verknüpfe, indem er über eine Tonspur und über eine parallele Bildspur verfüge, die Modi der zeitlichen Ordnung (Sukzession und Gleichzeitigkeit) zu einer komplexen Zeitlichkeit. Klug argumentiert und dargelegt, befindet der Rezensent.
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