Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781): Aufklärer und skeptischer Melancholiker, sachlicher Kritiker und Polemiker, Liebhaber der Vernunft, der die Sprache des Gefühls kultivieren wollte und zuweilen die Bereiche jenseits von Vernunft und Sprache interessanter zu finden schien, Verteidiger des Theodizeegedankens mit latenter Todessehnsucht: Immer wieder enthüllt sich das Paradoxe als das eigentlich Faszinierende an Lessing. Im Handbuch werden die charakteristischen Widersprüche vor dem zeitgenössischen Hintergrund beleuchtet. Nach den sozialkritisch orientierten 70er Jahren nimmt so das neue Lessing-Bild, das sich in der jüngeren Forschung seit längerem abzeichnet, Konturen an. Das Handbuch bietet, nach einem ausführlichen Kapitel zu Zeit und Person, einen Durchgang durch das Gesamtwerk Lessings sowie ein Extrakapitel zur Schauspielkunst und Bühnenpraxis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2001
Folgt man dem Urteil des Rezensenten Hans-Albrecht Koch, so muss man das neue Lessing-Handbuch unbedingt haben, egal, ob man schon viele Jahre als Forscher den Spuren des großen Aufklärers und seiner Werke gefolgt ist oder gerade beginnt, die "Minna" zu studieren. Monika Ficks "Autoren-Handbuch", mit dem Vorteil der Homogenität im Denk- und Schreibstil, bringt Solidität in die Literaturwissenschaft zurück, schreibt Koch, und ist ein "Maßstäbe setzender Idealfall". So behandele die Autorin nicht nur weniger bekannte Arbeiten mit gleicher Sorgfalt und Gründlichkeit wie die großen Werke, sie belebe auch in sich totgelaufene Diskussionen und bringe "in Sackgassen verrannte Interpreten" zur Raison, wie man es "vornehmer und klarer zugleich" gar nicht kann, schreibt Koch. Ein richtiges Standardwerk, so scheint es, und Koch prophezeit, dass hier auf unabsehbare Zeit "alle Lessing-Forschung ihren Ausgang nehmen wird".
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