Mosche Yaakov Ben-Gavriel

Jerusalem wird verkauft oder Gold auf der Straße

Roman
Cover: Jerusalem wird verkauft oder Gold auf der Straße
Arco Verlag, Wuppertal 2015
ISBN 9783938375693
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Nachlass herausgegeben und mit einem Nachwort von Sebastian Schirmeister. September 1916: Im k.u.k. Lazarett kuriert der Soldat Dan schwere Frontverletzungen aus - dann warten neue Heldentaten. Sein Marschbefehl lautet: Jerusalem. Auf seinem Weg liegt Konstantinopel, voller Huren und Operettenuniformen, heißes Pflaster, Drehscheibe krummer Geschäfte zwischen Europa und Asien. Die k.u.k. Sanitätsmission in Jerusalem verheißt dagegen eine Oase des Friedens, und die österreichischen Soldaten werden hier zu Kriegsgewinnlern, halten sinnlose Paraden ab oder huren herum. Dann aber sehen sie sich auch dort dem "Antlitz des Krieges" gegenüber, der"Ausgeburt des Wahnsinns". Ohnmächtig erleben sie die "Verbrechen des türkischen Krieges": "geschlachtete Armenier", brutale Gewalt gegen Araber und Juden, Folter, die in den Straßen Jerusalems verhungernden Zivilisten. Die ferne Heimat aber ist um keinen Deut besser: "Europa ist der Wahnsinn, Europa ist der Mord". Um 1940 entstanden, ist dieser Roman eines Augenzeugen über den Ersten Weltkrieg im Nahen Osten eine fesselnde Parallellektüre zu den Büchern von T. E. "Lawrence von Arabien".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2016

Peter Bollag kennt Mosche Ya'akov Ben-Gavriel als Vorgänger von Ephraim Kishon. Dass sein autobiografischer Roman und Kriegstagebuch nun neu erscheint, gibt Bollag einerseits Gelegenheit, sich zusammen mit dem Erzähler in die historische Lage in Jerusalem und Tel Aviv anno 1917 während der osmanischen Gewaltherrschaft zu versetzen, andererseits aber birgt diese Konstellation für den Rezensenten aktuelle Bezüge (Stichwort: Türkei als Verbündeter), über die er nachdenken kann. Der Humor des Autors mildert Bollag zufolge die Schwere solcher Gedanken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2016

Es lohnt sich in jedem Fall den als Eugen Höflich in Wien geborenen israelischen Schriftsteller Moshe Ya'akov Ben-Gavriel hierzulande wiederzuentdecken, versichert Rezensent Jakob Hessing. Auch wenn dem Kritiker der Roman "Jerusalem wird verkauft" ein wenig wie die etwas "durchsichtige" literarische Version von Ben-Gavriels Tagesbuch aus dem Jahr 1917 erscheint, erfährt er hier Überraschendes und Vergessenes aus dem Ersten Weltkrieg aus palästinensischer Perspektive. Der als Unterhaltungsautor in Deutschland bekannt gewordene Schriftsteller war als österreichischer Soldat 1917 in Jerusalem stationiert, informiert der Rezensent, der hier nachliest, wie Ben-Gavriel den Wahnsinn und die "Schäbigkeiten" der österreichischen Soldaten und türkischen Machthaber in Jerusalem schildert: Erzählt wird dabei nicht von den Kriegsgrausamkeiten wie bei Erich Maria Remarque, sondern vielmehr von Hungersnot, Schiebereien und Feindseligkeit, berichtet der Kritiker.
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