Moyshe Kulbak

Die Selmenianer

Roman
Cover: Die Selmenianer
Die Andere Bibliothek, Berlin 2017
ISBN 9783847703969
Gebunden, 360 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Aus dem Jiddischen von Niki Graça und Esther Alexander-Ihme. Die Selmenianer sind eine jüdische Großfamilie, deren traditionelle Schtetl-Sentimentalität durch die Umwälzungen der Russischen Revolution und die neue sowjetische Ordnung aus den Fugen gerät. In ihre Stadt schleicht sich das Gespenst des Bolschewismus ein und wird nicht mehr weichen: Sowjetmacht plus Elektrifizierung. Vier Generationen von Selmenianern, allesamt "schwarzhaarig und knochig gebaut", mit einer "breiten, niedrigen Stirn, fleischigen Nasen und Grübchen in den Wangen" leben auf dem Hof des längst verstorbenen Ahnen Selmele. In dieser Geschichte einer Familie, die sich im Konflikt zwischen Modernisierungsverweigerung und Fortschrittsglauben behaupten muss, leben die dynastischen Erzählungen des Alten Testaments und die heitermelancholische Haltung chassidischer Überlieferungen fort, während zugleich die literarische Doktrin des Sozialistischen Realismus einzieht. In seinem als Fortsetzungsroman in einer Minsker Zeitung zwischen 1929 und 1935 verfassten Selmenianern, stellt sich Moische Kulbak dem Konflikt zwischen dem Jüdisch-Sein und den stalinistischen Vorstellungen vom "Neuen Menschen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.04.2018

Rezensent Oleg Jurjew freut sich über die Wiederentdeckung des jiddischsprachigen Schriftstellers Moische Kulbak, den er  als Lyriker ebenso wie als Romancier schätzt. Entsprechend begeistert nimmt der Kritiker gleich vier Wiederveröffentlichungen der Werke Kulbaks zur Hand: Während er in Kulbaks Gedichten vor allem die Musikalität der Volkslieder der Juden Weißrusslands und Litauens bewundert, lernt er in dessen Prosa das Leben der Juden Osteuropas kennen. Besonders bemerkenswert findet Jurjew Sophie Lichtensteins Übersetzungen der in der Edition Foto-Tapeta erschienenen Bände "Childe Harold aus Disna" und "Montag". Von den jeweiligen Nachworten hätte sich der Rezensent allerdings mehr Genauigkeit gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.02.2018

Rezensent Dirk Schümer freut sich schon über die opulente Neuaufmachung von Moishe Kulbaks im Jahre 1930 verfasstem Hauptwerk "Die Selmenianer", das den jüdischen Lehrer und Dichter schließlich das Leben kostete. Der Kritiker liest in dieser vordergründig der Sowjetideologie entsprechenden Geschichte, wie eine Sippe traditioneller Juden in Weißrussland durch Technik und Ideologie von Chassiden zu Bolschewiken umerzogen wird und ihre traditionelle Lebensweise verlassen muss, um den Sozialismus mit aufzubauen. Mut, "schnoddrigen" Expressionismus und einen an Daniil Charms erinnernden "Humor des Absurden" attestiert der Rezensent dem Autor außerdem.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2018

Rezensent Jakob Hessing freut sich über die gelungene Übersetzung von Moshe Kulbaks erstmals 1931 und 1935 erschienenem Roman durch Niki Graca und Esther Alexander-Ihme. Der Roman des "großen Modernisten" der jiddischen Literatur besticht für Hessing durch die Erinnerung an die alte, dem Untergang geweihte Welt des sowjetischen Judentums, die der Autor laut Rezensent als allegorische Familiengeschichte nach dem Vorbild der Bibel erzählt. Die soziale Realität der jungen Sowjetunion malt Kulbak für Hessing als ambivalentes Bild, in dem der vermeintliche Fortschritt nur die Rückständigkeit stärker hervorhebt.
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