Aus dem Russischen von Waltraud Ahrndt. "Swetschi na wetru"/"Kerzen im Wind" (1979) hieß Grigori Kanowitschs erster Roman, der nun unter dem Titel "Ewiger Sabbat" wiederzuentdecken ist. Anfang der Dreißigerjahre - in einem kleinen Dorf bei Vilnius lebt Daniel zunächst bei Großvater, dem Uhrmacher, und Großmutter, der Vater sitzt wegen politischer Umtriebe im Gefängnis. In einen Vogel möchte sich dieser träumende Junge verwandeln: Dann flöge er über Synagogendiener Chaim hinweg, über Fleischermeister Hillels Laden, die Frisierstube von Aaron Damski, den ersten Lehrherrn, sähe den Hochzeitsmusikanten Leiser und Doktor Gutman, und alle die Bewohner dieses Fleckens aus der Ferne. Vor allem bräuchte er nicht länger auf dem jüdischen Friedhof mit all den Krähen und beim einbeinigen Totengräber Josef zu wohnen - er sähe die Welt. Daniel wird sie bald im Ghetto kennenlernen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.08.2014
Mit einer sehr kenntnisreichen und persönlichen Besprechung würdigt Rezensent Oleg Jurjew die nun unter dem Titel "Ewiger Sabbat" herausgegebene Neuauflage von Grigori Kanowitschs Trilogie "Kerzen im Wind". Jurjew bewundert die für die Sowjetunion ungewöhnlich freie Behandlung jüdischer Themen, die der in Litauen geborene und in einer jüdischen Familie aufgewachsene Schriftsteller in seinem Werk von 1979 schildert. Auch die Präzision und Poesie des Buches haben es dem Rezensenten angetan, allerdings hätte er sich ein Nachwort und auch einen Stellenkommentar, der eine Seite überschreitet, gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2014
Als ein Requiem für die Toten des litauischen Schtetls bezeichnet Jakob Hessing Grigori Kanowitschs erstmals 1979 erschienenen Roman. Für den Rezensenten steckt in dem Buch die Kunst, den Leser durch das Auge eines von der Tradition unbelasteten, unbefangenen Jungen sehen zu lassen. Als "ein Junge, der nicht schon alt zur Welt gekommen ist", ist der Protagonist Daniel eine Rarität in der jüdischen Litertaur, weiß Hessing. Die Welt der Vorkriegsjahre, dann die Okkupation und das Ghetto mit seinen Todesbildern - all das scheint ihm auf diese Art kraftvoll wiederaufzuerstehen, ohne dass es morbide wirkt. Die Entwicklung des Helden bleibt laut Rezensent aber nicht aus, sie findet nur inwendig statt, als Erziehung des Herzens. Dass der Verlag für die Neuausgabe die alte Übersetzung von Waltraud Ahrndt übernommen hat, erscheint Hessing als Glücksfall.
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