Aus dem Englischen von Barbara Heller. Nada Awar Jarrar erzählt behutsam von der inneren Zerrissenheit des heimatlosen Menschen. In einem leisen Ton legt sie die Wunden bloß, die Krieg, Flucht und Exil geschlagen haben. So entsteht ein eindringliches Porträt vom Lebensgefühl im kriegsversehrten Libanon, wahrhaftig und warmherzig zugleich. Frühmorgens hängt der Nebel träge über dem großen Steinhaus, bis ihn die ersten Sonnenstrahlen vertreiben. Dann zieht der Duft von Ginster und Thymian durch die Fenster hinein in das Haus, das seit Jahrzehnten in einem drusischen Dorf im Libanongebirge steht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2004
Irene Binal ist verzaubert von den "leisen Töne" und der "poetisch-sanften Sprache" von Nada Awar Jarrars erstem Roman. Und sie ist erschüttert von den Geschichten, die darin erzählt werden: drei Frauen, drei libanesische Frauen, die ihre Heimat verloren haben oder sie nicht wiedererkennen, die sich aber dennoch ganz ihrer Sehnsucht hingeben: "nach einer friedlichen Vergangenheit", die in Libanon vergangen ist. Alle drei, schreibt Binal, haben vieles hinter sich und blicken voller Melancholie zurück; ein staubiges Steinhaus in den Bergen wird zum Zentrum aller Wünsche und unzerstörbarer Hoffnungen. Die Rezensentin hat den Roman als "feinfühlige psychologische Studie" gelesen, "die unaufdringlich und doch eindringlich den Alltag der Frauen in Libanon, ihre Sorgen, Ängste und gesellschaftlichen Zwänge thematisiert", und als "Hymne auf ein geprüftes Land". Und sie hat eine herausragende neue Prosaistin entdeckt, die "auf eine zurückhaltende, fast schüchterne Art und Weise" erzählt - "gänzlich unprätentiös und doch mit großer literarischer Finesse".
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