Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Als Najem Wali ein Kind war, erschien ihm Bagdad wie ein Traum. Sein Vater brachte ihm von dort Geschenke und Geschichten mit. Sobald er die Schule abgeschlossen hatte, zog Wali zum Studium in die Hauptstadt. Als 1980 der Iran-Irak-Krieg ausbrach, floh er nach Deutschland. Nun erinnert Najem Wali an eine Welt, die nach Jahrzehnten des Terrors und der Zerstörung gänzlich unterzugehen droht. Er erzählt von "seinem" Bagdad, einer Stadt der Kaufleute, der Wissenschaftler und Künstler, so international und chic wie London und Paris. Sein Buch verbindet die Geschichte einer Metropole mit persönlichen Erinnerungen und setzt den Bildern der Verwüstung die Bilder einer blühenden Weltstadt entgegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.11.2015
Schaffen wir die Orte oder schaffen sie uns? Diese Frage nimmt Christian H. Meier aus Najem Walis Erinnerungen an Bagdad mit, in denen der Rezensent sowohl die Biografie einer Stadt wie auch die Autobiografie eines Autors erkennt. Wehmütig erinnert an Wali an Bagdads einstige Größe, Bedeutung und Reichtum, um dann jedoch die Geschichte eines Verfalls zu lesen, der in Walis Erzählung nicht erst mit den Kriegen eingesetzt hat, sondern bereits mit dem "Karneval der Baath-Partei", der den Ort "unpoetisch, grausam und kalt" gemacht habe und Wali als jungen Mann schließlich aus dem Irak vertrieben habe. Nicht alles findet der Rezensent in diesen Erinnerungen gelungen, manche Passagen erscheinen ihm etwas hölzern oder konstruiert, aber über weite Strecken hat ihn dieses Buch doch sehr in den bann gezogen, als Protestchronik, gepaart mit Lokalgeschichte und intimen Lebenserinnerungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015
Was ist nur mit dieser einst so schönen und aufregenden Stadt passiert, fragt sich Rezensentin Sonja Zerki entsetzt nach der Lektüre von Najem Walis Erinnerungen an Bagdad. Sie erlebt die Stadt aus der Perspektive des heranwachsenden Autors in den sechziger Jahren, streift entlang der Bauten von Gropius, Aalto oder Le Corbusier, beobachtet Frauen in "Mikro-Röckchen" und wohnt ausgelassenen religiösen Feiern und kulturellen Ereignissen bei. Die Kritikerin spürt geradezu den Zauber der vergangenen Zeit. Sie muss zwar bei Walis großen Sprüngen zwischen Jahrhunderten und Kontinenten gelegentlich durchatmen, ist aber dennoch tief beeindruckt von diesem "eleganten" Erzählstrom, in den der Autor seine mitreißenden Erinnerungen, etwa an seine Studienzeit mit dem beginnenden Aufstieg Saddam Husseins und der Baath-Partei einspeist.
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