Naomi Fontaine

Die kleine Schule der großen Hoffnung

Roman
Cover: Die kleine Schule der großen Hoffnung
C. Bertelsmann Verlag, München 2021
ISBN 9783570103821
Gebunden, 144 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sonja Finck. Ein Roman über das Heranwachsen im hohen Norden Kanadas. Yammie lässt das Stadtleben und ihren Freund Nicolas hinter sich, um im First-Nation-Reservat Uashat als Lehrerin zu arbeiten. Ist sie noch eine Innu, wie die indigene Bevölkerung im Norden des Staates Québec genannt wird, oder ist sie durch Erziehung und Studium der französischen Sprache schon "zu weiß" geworden? Kann sie als junge Lehrerin den Heranwachsenden, deren Zukunft von Alkohol und Depressionen überschattet ist, Perspektiven bieten? Nach einem ereignisreichen Jahr sind die Schüler Yammie ans Herz gewachsen. Und sie erkennt, dass nicht nur die Jugendlichen gereift sind, sondern dass auch sie sehr viel von ihnen gelernt hat. Gefühlvoll und authentisch - dieser Roman erzählt vom Leben der kanadischen Ureinwohner, von ihren Sorgen, Ängsten, Sehnsüchten und Hoffnungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2022

Den deutschen Titel von Naomi Fontaines neuem Roman findet Rezensent Tilman Spreckelsen "unnötig gefühlig", wo doch der Originaltitel "Manikanetish, Petite Marguerite" so schön auf die Zweisprachigkeit verweise, um die es geht: Eine junge in Uashat geborene Lehrerin kehrt nach einigen Jahren in Quebec zurück ins Reservat und sieht sich dort mit Zugehörigkeitsproblemen konfrontiert. Wie die Autorin, ebenfalls den First Nations angehörig, "geradlinig" die Zwischenposition der jungen Frau schildert, die sich teilweise an ihre Muttersprache erinnert, sich in anderen Dingen aber fremd fühlt, scheint den Rezensenten anzusprechen. Nur manchmal stören ihn einige "kalenderspruchhafte" Aussagen der Hauptfigur. Doch das Fontaine die jungen Innu bei einer Schulaufführung Corneilles "Cid" stolz in die Rolle der spanischen Eroberer schlüpfen lässt - für Spreckelsen eine der stärksten Passagen des Buchs - zeigt ihm, wie wenig stereotyp die Autorin denkt.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 13.11.2021

Um Naomi Fontaine und ihrem Roman gerecht zu werden, vergleicht Rezensentin Julia Schröder die deutsche Fassung mit dem französischen Original. Dabei stellt sie fest, dass es der eigentlich sehr kundigen Übersetzerin Sonja Finck nicht so ganz gelingen will, Fontaines nur vordergründig simple Erzählweise ins Deutsche zu übertragen. Sehr viel trockener schreibt die indigene frankokanadische Autorin, als es sich im Deutschen liest, erklärt Schröder, sehr viel wohldosierter setzt sie Gefühle ein. Und dann kommt noch hinzu: dieser irreführende, weil "allzu putzige" Titel. Dabei ist das, worüber Fontaine in "die kleine Schule der großen Hoffnungen" erzählt, so ganz und gar nicht putzig. Ihr gehe es um Entfremdung, die Entfremdung, die eine junge Innu-Lehrerin in den Städten der Weißen empfand, und die sie nun auch in ihrer Heimat empfindet, so Schröder, eine Entfremdung, die im "kollektiven Trauma" der First Nations wurzelt. Nur langsam, lesen wir, nähert sich die Ich-Erzählerin wieder an ihre eigene Kultur an. In dieser Selbstfindungsgeschichte wird kein unschönes Detail verschwiegen oder verharmlost, lobt die Rezensentin - nicht die Vorurteile der Weißen, nicht der Mangel, nicht die Perspektivlosigkeit, die oftmals in den Reservaten herrscht. Alles andere als putzig also!

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