Ein neuer Lebensabschnitt, eine gesellschaftliche Krise oder die Geburt eines Kindes: Wenn sich Dinge verändern, fühlen wir uns oft verunsichert. Denn wir müssen Abschied nehmen von Vertrautem, haben aber noch keine Vorstellung davon, was an seine Stelle treten wird. Die Philosophin Natalie Knapp plädiert dafür, Umbruchsituationen oder Schicksalsschläge nicht möglichst schnell hinter sich lassen zu wollen, sondern sie auf eine neue Art wertzuschätzen. Denn es sind Phasen, in denen das Leben mit besonderer Intensität spürbar wird. Sie aktivieren unser schöpferisches Potenzial und lassen uns Entdeckungen und Erfahrungen machen, die uns in ruhigeren Jahren Halt und Richtung geben.
Annette Jensen schöpft Hoffnung mit Natalie Knapps These vom kreativen Potenzial von Übergangszeiten wie der unsrigen. Dass eine Phase der Verunsicherung neues Denken und neue Verhaltensweisen hervorbringen kann, nimmt Jensen der Autorin ab. Ebenso die Vorstellung, dass so eine Veränderung vom Einzelnen auf eine ganze Kultur und Gesellschaft übergehen kann. In diesem unseren Fall wäre das laut Autorin der Schritt vom Wachstumsparadigma zu einer Vorstellung, in der Körper und Umwelt, Individuum und Gesellschaft nicht länger voneinander getrennt gedacht werden, erklärt die Rezensentin. Die Krise als Chance, kein ganz neuer Gedanke zwar, für Jensen allerdings ein durchaus bedenkenswerter.
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