Polarisierung

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518128145
Broschiert, 290 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Die Debatte um "Polarisierung" ist von einem Widerspruch geprägt. Während immer mehr Menschen eine "Spaltung der Gesellschaft" fürchten, zeigen Umfragen, dass die Einstellungen der Bürger:innen gar nicht auseinanderdriften.Nachdem er sich zuletzt mit "alternativen Fakten" befasste, widmet sich Nils C. Kumkar nun einem anderen Aspekt, der die Debatte über die Debatten verwirrt. Er zeigt, dass die Beobachtung der Gesellschaft notwendigerweise Polarisierung wahrnimmt, da Letztere im politischen System mit seinen Unterscheidungen zwischen Regierung und Opposition sowie zwischen Regierenden und Regierten angelegt ist. Spaltung, so Kumkar, lässt sich letztlich nicht überwinden. Die Frage wäre, wie man produktiver spalten kann.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2025
Rezensent Daniel Deckers applaudiert Nils Kumkars Buch zur Polarisierung. Ein weiteres Mal bekäme man dort zu lesen, dass das Label auf unsere gegenwärtige Gesellschaft eigentlich gar nicht zutrifft, aber anders als bei Vorgängerbüchern diesmal mit einem neuen Twist: gespalten in zwei Lager sei die Gesellschaft zwar nicht, aber trotzdem existiere Polarisierung als ein Debatteninstrument bzw. Kommunikationsphänomen, wie Deckers den Soziologen zusammenfasst. In "typisch systemtheoretischer" Manier analysiere der Autor dann auch, wie Polarisierung in verschiedenen Bereichen (Social Media, Politik, Populismus…) wirke; mit der Grundthese, dass man sich ihr nirgends entziehen könne, sondern sie nur auf verschiedene Weise mobilisieren. Auch etwa in Social Media, wo die starke Polarisierung als eine Reaktion auf Komplexität (Unklarheit bzgl. User-Identitäten, unsichtbarem Publikum etc.) zu werten ist, wie der Kritiker in einem "besonders lesenswerten" Kapitel liest. Im Kontext Populismus macht ihm Kumkar klar, dass die Gefahr für die Demokratie nicht von der Polarisierung selbst, sondern nur von ihrer "Überhitzung" ausgehe. In diesem Sinne verstehe Deckers sein Buch als eine "Lockerungsübung", um die Debatte zu entdramatisieren und wieder die Sache in den Blick zu nehmen - und das ist für den Kritiker "sehr gute Soziologie".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 06.09.2025
Ganz die "Lockerungsübung", als die Nils C. Kumkar es selbst bezeichne, sei sein Buch dann doch nicht, vermittelt Rezensent Till Schmidt: mit vielen Theorie-Zitaten und voraussetzungsreicher Argumentation arbeite der Bremer Soziologe, aber inhaltlich spannend falle die Analyse der Polarisierung als Debatteninstrument trotzdem aus. Wichtigste Erkenntnis ist für den Kritiker dabei, dass der Begriff gar nicht einen Ist-Zustand beschreibe, wie bei der Rede von ''der polarisierten Gesellschaft' oft angenommen, sondern eher zur "Selffulfilling Prophecy" tendiere: wenn ständig über Polarisierung gesprochen und berichtet wird, vor allem in den Medien, führe man sie letztlich (erst) herbei, fasst Schmidt den Autor zusammen. Auch Kumkars Schlaglicht auf die Theorie des amerikanischen Ökonomen Murray Rothbard zur rechtspopulistischen Polarisierungsstrategie findet der Kritiker "erhellend", besonders in Bezug auf die unlogischen Motive der AfD-Wählerschaft. Etwas dünner werde es dann in Bezug auf alternative, produktive Polarisierungsformen: was hier genau die Inhalte und wer die Akteure sein sollen, bleibe offen. Für den Kritiker trotzdem ein sehr "lesenswerter und wichtiger Debattenbeitrag".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.08.2025
Um gegenwärtige Großkonflikte besser zu verstehen, empfiehlt Rezensent Peter Laudenbach das Buch des Soziologen Nils C. Kumkar. "Analytisch glasklar", so Laudenbach, schaut der Autor auf die Wahrnehmung politischer Streitthemen und erkennt in der Funktionsweise von Massenmedien und Social Media einen Treiber für Polarisierungen. Dass es sich hier um einen Teil der Aufmerksamkeitsökonomie handelt, dämmert Laudenbach rasch. Sind die beschworenen polarisierenden Konflikte also gar keine? Laudenbach lernt, dass Interessengegensätze jedenfalls normale Zutaten einer liberalen Demokratie sind. Der distanzierte Blick des Autors sorgt für wohltuende Abkühlung in der aufgeheizten Debattenkultur, findet er. In einem zweiten Schritt zeigt der Autor am Beispiel der AfD allerdings auch, wie gefährlich das Polarisierungsschema sein kann, wenn es zur "Konflikteskalation als Selbstzweck" benutzt wird, erklärt Laudenbach.