Europa steckt tief in der Krise. Die von den Rechtspopulisten angestrebte Rückkehr zu nationalstaatlicher Konkurrenz kann nicht die Lösung sein. Ulrike Guérot plädiert für einen radikalen Neuanfang: Dem gemeinsamen Markt und der gemeinsamen Währung muss endlich eine gemeinsame europäische Demokratie folgen. Nur so können wir das weltoffene Europa bewahren, das die Mehrheit der Europäer nach wie vor will.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2017
Mitreißend und aufwühlend findet Rezensent Michael Gehler das Buch der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot. Wie die Autorin hier eine umstürzende EU-Einigungspolitik verfechtet, scheint ihm sympathisch, Guerots scharfsinnige Reflexionen zum transnationalen Kulturkampf hält er für nachvollziehbar, auch wenn er, anders als die Autorin, die deutsche Ideologie der Geldwertstabilität nicht für das größte Übel und die Ursache des europäischen Bürgerkriegs hält. So überzeugend er die Gegenwartsanalyse der Autorin insgesamt findet, so sehr fragt er sich mit ihr, wie die europäische Republik realisiert werden soll. Hier macht die Autorin die Rechnung ohne die Nationen, befürchtet er.
"Stürmisch" findet Rezensent Hannes Koch die Vorschläge, die die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot zur politischen Umgestaltung Europas unterbreitet. Mit "gleichem Wahlrecht für alle EuropäerInnen" bringt Koch diese auf den Punkt: Je ein Abgeordneter pro eine Million Stimmen und eine europäische Sozialgesetzgebung sollen die kriselnde Union in den Zustand einer Republik überführen und zugleich die bisherigen Gewichtungen innerhalb der EU nunmehr nach Einwohnerzahlen angleichen. Große Staaten würden damit allerdings noch mehr Einfluss gewinnen, merkt der Kritiker dazu an. Gegenüber solchen Einwänden macht Guérot allerdings die republikanische Idee stark, erläutert Koch weiter: In einem republikanischen Europaparlament mit Sozialgesetzgebung und voller Souveränität könnten mächtige Staaten nicht mehr ohne weiteres ihre Auflagen gegenüber kleineren durchdrücken, sagt er. Europa würde damit teurer - aber sozial sicherer, lautet Kochs Einschätzung von Guérots Thesen.
Wenn Pathos so inhaltsreich ist wie in Ulrike Guerots Essay "Der neue Bürgerkrieg", ist Rezensent Adam Soboczynski sehr einverstanden. Die Professorin für Demokratieforschung, die die Krise der Europäischen Union als notwendige Übergangsphase zu einer europäischen Republik begreift und als Anstoß zur Revolution begrüßt, kann ihm die wesentlichen Punkte ihres Anliegens knapp und mit Schwung vermitteln: Brillant findet er etwa Guerots Analyse der neuesten Paradoxien parteipolitischer Lagerbildungen, etwa wenn Rechte sich für Industriearbeiter, Linke sich für die nationale Ehre einsetzen. Auch der dezidierten Ablehnung direktdemokratischer Verfahren kann der Kritiker nur zustimmen. Und über einige Aussagen der Autorin, etwa, dass die "politische Steuerungselite" das Wahlvolk ausnehme oder dass der Rechtspopulismus durch einen "ominösen" Neoliberalismus entstanden sei, lässt sich zumindest trefflich streiten, meint der Rezensent.
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