Norbert Elias

Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen

Cover: Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518783825
Gebunden, 112 Seiten, 13,99 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Didier Eribon. 80 Prozent der Deutschen möchten im eigenen Bett sterben, aber 80 Prozent der Deutschen sterben in Institutionen. Früher schied man im Kreise der Familie aus dem Leben, heute ist man dabei allein. Hygienisch, aber einsam - das ist die traurige Realität des Sterbens in unseren Tagen. Wie es dazu gekommen ist, beschreibt Norbert Elias in seinem berühmten Essay, der auf die moderne Gesellschaft aus der Perspektive ihres Umgangs mit Sterblichkeit und Tod blickt. Elias schildert, wie und warum der Tod allmählich hinter die Kulissen der alltäglichen Lebensvollzüge verbannt wurde und die Menschen sich von ihrer eigenen Sterblichkeit entfremdet haben. Die Gesunden wollen nichts davon wissen, weshalb sie die Gebrechlichen früh aus der Gemeinschaft der Lebenden ausschließen. Und "wenn ein Mensch im Sterben fühlen muß, daß er [...] kaum noch Bedeutung für die umgebenen Menschen besitzt, dann ist er wirklich einsam". 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025

Rezensentin Tania Martini weiß, dass sich Michel Foucault und Didier Eribon für diesen Essay des Soziologen Norbert Elias interessierten, womit sie sich auch die Wiederveröffentlichung des Textes erklärt. Bei ihr scheint es zu funktionieren. Sie referiert Elias' zentrale Thesen zu Vereinzelung in der Moderne, zu Verdrängung von Tod und dem Sterben ohne den Trost religiöser Jenseitsvorstellungen. So richtig scheint der Funke aber nicht überzuspringen. Dass Elias am Ende auf die Konzepte "Fürsorge und Freundschaft" zurückgreift, findet Martini "ungewöhnlich", aber immerhin erscheint ihr das nicht nostalgisch oder kulturkonservativ. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.10.2025

Die Rezensenten Jonas Hertel und Coraly von Welser scheinen froh darüber zu sein, dass Norbert Elias' Essay von 1982 neu aufgelegt wird. Das Tabu des Sterbens und des Sprechens darüber ist für den Soziologen ein Menetekel, dem er gern mit Offenheit, auch gegenüber Floskeln, begegnen möchte, erklären die Autoren. Dem Ansinnen, die Fremdheit dem Tod gegenüber zu verringern, widmet sich Elias laut Hertel/von Welser auf humanistische Weise und in Form der soziologischen Analyse. Ein Ratgeber ist das Buch nicht, meinen sie.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 13.09.2025

Rezensent Mladen Gladić scheint Norbert Elias' Buch über das Sterben, ursprünglich erschienen 1982, auch heute noch mit Gewinn zu lesen. Es geht darin um die gesellschaftlichen Bewältigungsstrategien und Abwehrreflexe gegen den Tod, um die Rolle der Ärzte, weil die meisten Menschen in Krankenhäusern versterben, und darum, dass das Problem schon vor dem eigentlichen Tod losgeht, wenn Gebrechliche von der Welt der Lebenden isoliert blieben, resümiert Gladić unter Verweis auch auf ein Sekundärwerk von Matthias Meitzler. Interessantes zum Verhältnis von Elias' Überlegungen zur These vom einst noch "zahmen Tod", vorgebracht vom Historiker Philippe Ariès, entnimmt der Kritiker außerdem einem Nachwort von Didier Eribon. Am tragendsten und aktuellsten ist für ihn aber die Einsicht, dass der Umgang mit dem Tod auch den Umgang mit den Lebenden prägt und deshalb ein Maßstab für das Funktionieren von Zivilisation sein kann - hier beschert ihm die Lektüre von Elias' Büchlein Erhellendes.

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