Seit dem 11. September erleben die USA eine tiefe Krise. Die Terroranschläge traumatisierten das Land, und viele retteten sich in einen hemmungslosen Patriotismus. Die Bush-Regierung sieht die Chance, diese Stimmung zu nutzen und die USA zu einem weltumspannenden Imperium zu machen - der Feldzug gegen den Irak war vielleicht nur ein Anfang. Amerika befindet sich in einem "Heiligen Krieg", der nicht nur auf dem Schlachtfeld ausgetragen wird. Darum hat Norman Mailer, der "angry old man" der amerikanischen Literatur, seine Stimme erhoben, klagt George W. Bush an, die "Fahnenkonservativen" und die hysterische Kriegsmaschinerie, die in ihrer Gier nach Weltherrschaft alles verschlingt, was sie verschlingen kann. Mit seinem Manifest ergreift Mailer Partei für den wahren Patriotismus. Er ruft dazu auf, die Werte zu verteidigen, für die Amerika seit zwei Jahrhunderten steht: Demokratie, Humanität und Freiheit.
Sehr missfallend äußert sich Bernd Greiner über Norman Mailers "Heiliger Krieg". Eigentlich sei es gar keines, meint er. Vielmehr handele es sich um einen "Flickenteppich, eilig genäht aus Interviews, die Mailer in den letzten Jahren gegeben hat, ergänzt um längere Zitate ihm sympathischer Autoren der 'New York Times'". Er geht sogar so weit, es als überflüssigen publizistischen Schnellschuss zu bezeichnen, mit dem der Verlag im Vorfeld des Irak Krieges Kasse machen wollte. Vieles würde angesprochen und nichts zu Ende geführt, so Greiner. Das meiste sei ohnehin von anderen wie Noam Chomsky oder Michael Moore viel überzeugender gesagt worden. Dass es nun in unveränderter Form auf dem deutschen Markt erscheine, verärgert Greiner noch mehr. Auch große deutsche Verlage würden offensichtlich der Versuchung erliegen, mit allen Mitteln in die Bestsellerlisten zu gelangen und gibt zu bedenken: "Die Leser können sich dieser Zumutung verweigern".
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…