John Updike

Terrorist

Roman
Cover: Terrorist
Rowohlt Verlag, Reinbek 2006
ISBN 9783498068851
Gebunden, 398 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Angela Praesent. Ahmed ist achtzehn Jahre alt, gemeinsam mit seiner irischen Mutter lebt er irgendwo in New Jersey. Sein Vater, ein Araber, hat die Familie früh verlassen, und Ahmed hat unter seinem Weggang gelitten. Aber die Trennung der Eltern liegt lange zurück, und in New Prospect gibt es viele kaputte Familien. Außerdem ist Ahmed ein ausgezeichneter Schüler, redegewandt und klug. Genau die Sorte also, die im US-amerikanischen System Karriere machen könnte. Doch Ahmed hat sich schon anders entschieden: Konsequent kapselt er sich von seiner Umwelt ab und sucht im islamischen Fundamentalismus ein neues Zuhause. Schon bald ist er bereit, für seinen Glauben sein eigenes Leben zu opfern - und das Leben anderer."Terrorist"ist ein mutiges und zugleich besonnenes Buch. Es meidet selbst die Extreme und gibt nicht vor, die oft banalen Ursprünge des Terrorismus ganz ausleuchten zu können. Das Ergebnis ist eine Innenansicht von Terror und Fundamentalismus, die plakativen Schuldzuweisungen schonungslos den Boden entzieht."Terrorist"ist einer der wichtigsten Romane John Updikes. Er erscheint in deutscher Übersetzung zur fünften Wiederkehr des Datums"9/11".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.09.2006

Rezensent Michael Naumann ist sehr enttäuscht von John Updikes neuem Roman. Der amerikanische "War on Terrorism" hat, wie er süffisant zu Protokoll gibt, offensichtlich ein weiteres Opfer gefordert: nämlich den "genialen Psychologen" Updike selbst, der jetzt plötzlich Klischees, Ressentiments und Vorurteile zur Grundlage seiner Behandlung des Stoffs gemacht hat. Dem ansonsten geschätzten Autor ist es deshalb nach Ansicht des Rezensenten nicht gelungen, wirklich in die Seele des titelgebenden religiösen Fanatikers einzudringen. Die Handlung scheint eher all die Klischees zu illustrieren, die beim Thema immer gern bemüht werden. Naumann bemängelt auch die Verächtlichkeit, mit der sich Updike einigen Nebenfiguren aus dem Leben des Protagonisten nähert, eine unangenehm aufstoßende "gallige, vorurteilssatte Abneigung". Richtig gut wird Updike aus Sicht des Rezensenten nur, wenn er sich dem zuwendet, was er wirklich kennt: nämlich einigen Phänomenen des amerikanischen Alltags, denen er Naumann zufolge ein paar "bitterböse" satirische Passagen gewidmet hat. Aber das sind, so scheint es, für den Rezensenten eher kurze Lichtblicke, der ansonsten das Buch mit der Einsicht zuklappt, religiösen Wahnsinn könne wohl niemand literarisch erschließen, solange er nicht Dostojewski heisst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2006

Patrick Bahners ist von John Updikes neuem Roman "Terrorist" offensichtlich beeindruckt. Ausführlich erzählt er die Geschichte des jungen Ahmed nach, der sich - flankiert von einem fanatischen Imam und einem atheistischen Juden - nach der Highschool unbeirrt auf seinen Einsatz als Selbstmordattentäter vorbereitet. Dabei hebt Bahners besonders auf die moralische Dimension des Romans ab. Schließlich stelle Updike darin der "amerikanischen Immanenzreligion" ein "nihilistisches Transzendenzverlangen" in Person des Terroristen entgegen. Bahners zitiert in seiner bedeutungsschweren, nicht immer erhellenden Besprechung wiederholt den Papst, etwa wenn er erklärt, dass Updike in "Terrorist" die "sittlichen Folgen" einer "theologischen Bewegung" ausmale, "die Benedikt XVI. in Regensburg als dritte Welle der Enthellenisierung beschrieben hat." Etwas handfester wirkt dagegen Bahners Einschätzung von "Terrorist" als spannender Thriller, geschrieben "nach allen Regeln der Kunst".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2006

Beeindruckt zeigt sich Jörg Magenau von John Updikes neuem Roman über den Weg eines jungen Mannes zum Terroristen. Im Mittelpunkt sieht er die Frage, was den 18 Jahre alten, zurückhaltenden Ahmed, einen guten Schüler, dazu bewegt, sein Leben als islamistischer Selbstmordattentäter zu opfern. Den in den USA erhobenen Vorwurf, Updike habe Ahmed zu sympathisch gezeichnet, weist Magenau zurück mit dem Hinweis, wer etwas verstehen wolle, müsse seinen Gegenstand so stark wie möglich machen. Er versteht Upidkes Terroristen als einen exemplarischen, nicht aber als typischen Vertreter seiner Art. Ausführlich geht Magenau auf die Handlung des Romans ein. Dabei extrahiert er eine Reihe von Thesen über die Voraussetzungen, die einen dazu bewegen können, Terrorist zu werden: Neben der Angst vor Frauen, der Suche nach dem Vater und nach Eindeutigkeit nennt der Rezensent gesellschaftliche Perspektivlosigkeit und die transzendentalen Defizite einer kapitalistischen Konsumorientiertheit.

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