Nourig ist sieben Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland kommt. Schon bald rebelliert ihre Schwester Waffa gegen die strengen Regeln der muslimischen Eltern, denn sie will ein eigenständiges Leben führen. Diesen Freiheitsdrang bezahlt Waffa nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit ihrem Leben und wird 1993 von der eigenen Familie ermordet. Nourig wird gezwungen, den Mord mit anzusehen und flieht aus Angst, dass ihr das gleiche Schicksal droht. Mit starkem Willen und unerschütterlicher Zuversicht kämpft Nourig für einen Neuanfang und studiert Medizin. Doch 2007 wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt; Polizeibeamte fangen Nourig auf dem Weg zur Arbeit ab und nötigen sie zu einer Aussage. Damit der Staat den Prozess gegen die Mörder ihrer Schwester eröffnen kann, wird ihr ein neues Leben im Rahmen des Zeugenschutzprogramms zugesagt, doch nach ihrer Aussage und der Verurteilung ihres Vaters wird das Versprechen einer neuen Identität nicht eingelöst. Und wieder ist Nourig auf der Flucht vor der Rache ihrer Familie sie muss regelmäßig den Wohnort wechseln, weil sie nur sporadisch Personenschutz erhält. Nourig fühlt sich vom Staat im Stich gelassen.
Sehr eingenommen ist Rezensentin Cigdem Akyol für Nourig Apfelds Autobiografie "Ich bin Zeugin des Ehrenmords an meiner Schwester". Der Titel scheint ihr weniger gelungen, der Rest des Buchs dafür umso mehr. Sie würdigt es als "nüchternes, zutiefst persönliches und schonungsloses Dokument deutscher Wirklichkeit". Apfelds Buch zeichnet sich für sie aus durch einen respektvollen Ton, einen differenzierten sachlichen Blick und den Verzicht auf Pauschalisierungen - ganz im Unterschied zu der aktuellen aufgeregten Debatte um angeblich integrationsunwillige Muslime. Angesichts dieser Debatte, die sich nach Ansicht der Rezensentin "viel zu sehr um Thilo Sarrazin dreht" und die "ernsthaften Migrationsthemen aus dem Blick verliert", kann sie Apfelds Autobiografie nur zur Lektüre empfehlen.
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