Ein Bollerwagen das ist alles, was ihnen bleibt, als der damals knapp dreijährige Olaf Ihlau mit seiner Familie aus dem brennenden Königsberg in den Westen flieht. Dieses Gefährt, "schlicht, aber solide", begleitet den Autor und seine Mutter auf der Flucht in den Westen, auf einem langen Elendsmarsch von Ostpreußen bis in den oberbayerischen Chiemgau. Auch dort leistet es der wiedervereinten Familie treue Dienste, als Transportmittel für Brennholz und als Gefährt für Hamstertouren. In Köln werden noch einmal Ziegelsteine für einen Hausbau damit transportiert, ehe der Bollerwagen in Garagen und Kellern verschwindet. Trennen mag der Autor sich jedoch bis heute nicht von der Familienreliquie, erinnert sie ihn doch an die leidvolle Flucht und die Nachkriegszeit. Nun, siebzig Jahre später, erzählt "Der Bollerwagen" die Geschichte dieser Flucht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2015
Vertriebenengeschichten sind für Rainer Stephan immer eine schwierige Sache, geht es doch oft um die Beschwörung des Vergangenen als Pose. Nicht so bei Olaf Ihlau, versichert Stephan. Der Autor überzeugt den Rezensenten mit Lakonik und einer ausgesprochenen Vorsicht vor Sentimentalität. Die Geschichte der Flucht seiner Familie aus Königsberg über das Sudetenland und Berlin nach Bayern erzählt der Autor ohne Pathos, meint Stephan, dafür als nüchtern gehaltene Mischung aus historischer Information und persönlicher Erinnerung.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 01.10.2014
Rezensent Olaf Ihlau erzählt die Geschichte von der Flucht seiner Familie aus dem zerbombten Königsberg ganz ohne Rührseligkeit, berichtet Andreas Kossert, dafür mit viel Ironie und einer ernsten Bereitschaft zur kritischen Aufarbeitung seiner Familiengeschichte. "Der Bollerwagen" heißt das Buch, weil ein Handwagen, ein schlichtes, aber stabiles Ding, das einzige war, was sein Großvater aus dem Besitz der Familie retten konnte, und weil er Ihlau seitdem überallhin begleitet hat, erklärt der Rezensent. Seine Gegenwart belegt, dass der Autor weder in der bayerischen Provinz noch in Köln noch sonstwo seitdem wirklich angekommen ist, findet Kossert - auch wenn Ihlau es sich und dem Bollerwagen auf Ibiza inzwischen recht gemütlich gemacht hat, verrät der Rezensent.
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