Warum es so gekommen ist
Erinnerungen eines Historikers

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406836312
Gebunden, 288 Seiten, 30,00
EUR
Klappentext
Heinrich August Winkler ist einer der bedeutendsten deutschen Zeithistoriker. Er ist aber auch einer der einflussreichsten deutschen Intellektuellen, der die politischen Debatten unseres Landes bis heute prägt. In diesem Buch erinnert er sich an seinen Lebensweg von Königsberg über Süddeutschland nach Berlin, an Begegnungen und Erlebnisse, an Gespräche und Kontroversen, an Irrtümer und Erkenntnisse. Doch es sind keine Memoiren im klassischen Sinne. Es ist ein Rechenschaftsbericht über ein Leben, das der historisch-politischen Selbstaufklärung der Deutschen gewidmet ist. Daher bieten diese Erinnerungen auch etwas, das heute so nötig ist wie lange nicht mehr: einen politisch-moralischen Kompass in den Zeitenwenden unserer Epoche.In diesem Buch blickt Heinrich August Winkler zurück auf seine Kindheit in Königsberg und die letzten Wochen des "Dritten Reiches", die er in Württemberg erlebte. Er berichtet von seinen Prägungen in der Nachkriegszeit, von seinen wissenschaftlichen und politischen Vorbildern, von frühen Begegnungen mit Konrad Adenauer und Willy Brandt, vom Kampf um die Verwestlichung der Bundesrepublik. Er erinnert an die deutsche Teilung und ihre Überwindung, an die Gründung der Berliner Republik und seine Interventionen zu politischen Streitfragen der Zeit, bis hin zu seiner Kritik an der Ostpolitik der SPD und seinen frühen Warnungen vor Putin. Vor allem aber zeigen diese Erinnerungen eines der großen Intellektuellen der Bonner und Berliner Republik, welch weiten Weg Deutschland seit dem Zivilisationsbruch des "Dritten Reiches" in Richtung Westen zurückgelegt hat und welche Errungenschaften, aber auch Verpflichtungen damit verbunden sind.
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 29.09.2025
Wieder mal ein starkes Buch hat Heinrich August Winkler laut Rezensent Michael Kuhlmann verfasst. In seiner Autobiographie beschäftigt sich der Historiker vor allem mit seinem wissenschaftlichen Werk. Winkler vertritt, skizziert Kuhlmann entlang der Lektüre, innerhalb der Geschichtswissenschaft einen normativen Ansatz, er interessiert sich für die Werte des Westens, ihre Gefährdung und Verteidigung. Das Buch erzählt den Werdegang Winklers nach, der von den 68ern nicht viel hielt, später im Historikerstreit zum Gegner Ernst Noltes wurde, noch später oft linke Positionen in Frage stellte. Ausführlicher geht Kuhlmann auf eine Passage ein, die sich mit der Vorbereitung einer dann nie gehaltenen Rede Johannes Rau beschäftigt, anschließend geht es um Winklers Gedanken zu aktuellen Gefährdungen der Demokratie von links und rechts. Da steckt insgesamt viel drin, freut sich der Rezensent, der freilich empfiehlt, ergänzend auch andere, mindestens ebenso gute Winkler-Bücher zu lesen.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 20.09.2025
Angeregt bespricht Rezensent Marc Reichwein Heinrich August Winklers Lebenserinnerungen, die sich in drei Teile gliedern: einer ist der Universitätskarriere, einer den Beiträgen zum politischen Diskurs und der dritte Persönlichem gewidmet. Reichweins Besprechung streift die immense Bedeutung Winklers für das intellektuelle Leben der Bundesrepublik und seinen Einfluss auf die Politik nur knapp und wendet sich weitgehend dem Persönlich-Biografischen zu. So beschreibt er entlang der Lektüre, wie Winkler i, heutigen Königsberg geboren ist, aber schon früh in die Gegend um Ulm zog, es geht um die späten Kriegsjahre und auch um eine ernüchternde Rückkehr in die Geburtsstadt, die inzwischen Kaliningrad heißt. Ein reichhaltiges Leben findet Reichwein in diesem Buch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2025
Rezensent Joachim Käppner freut sich über die ungemein reichhaltigen Lebenserinnerungen Heinrich August Winklers. Winkler geht es auch hier wieder um sein Leib- und Magenthema, und das Erbe des Nationalsozialismus und das Selbstverständnis eines demokratischen, westlich orientierten Deutschlands. In diesem Sinne fragt Winkler nicht nach dem Wie, sondern nach dem Warum der Geschichte, in durchaus normativer Manier beschreibt und verteidigt er dabei eine freiheitliche Grundordnung der Gesellschaft. Winkler geht in dieser Schrift hart mit der SPD ins Gericht, vor allem mit dem Hang in der Partei, enge Verbindungen zu Russland zu suchen, in diesem Zusammenhang kommt der Autor auch auf seine Freundschaft zum polnischen Oppositionellen Borislaw Geremek zu sprechen. Mit Blick auf die Gegenwart warnt Winkler ein weiteres Mal davor, sich Illusionen über Putins Machtstreben zu machen und die Ukrainer aus den Überlegungen zu einer Friedensordnung auszuschließen. Streitbar findet Käppner Winklers kritische Anmerkungen zu Angela Merkels Flüchtlingspolitik, freilich argumentiere der Historiker keineswegs fremdenfeindlich, vielmehr sorgt er sich um die Stabilität der Demokratie in Deutschland und Europa. Erstaunlich nüchtern ist der Tonfall dieses Buches, wundert sich Käppner, nur in manchen persönlicher geprägten Episoden schleichen sich Emotionen ein. Jedenfalls kann man in diesem Buch, so der Tenor der Besprechung, jede Menge Erkenntnisse gewinnen über diverse Aspekte der deutschen Nachkriegsgeschichte.