Aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann. In Olga Forschs Roman schlägt uns in neun "Wellen" das Panorama einer Epoche entgegen. Das russische Narrenschiff, das durch die Jahre fährt, ist das von Gorki ins Leben gerufene "Haus der Künste", in dem Maler, Philosophen und Schriftsteller gemeinsam mit Arbeitern lebten und ihre Existenz in den Bürgerkriegsjahren sicherten. Dieses "Narrenschiff" ist beseelt vom Wahn der Kunst: Seine Passagiere sind Menschen in den Jahren nach dem Oktoberumsturz und bis zur Auflösung des Hauses im Jahr 1923, die sich in Kühnheit und Fortschrittlichkeit zu überbieten versuchen.Die ersten "Wellen" kreisen um das Zeitgeschehen, führen uns das Personal des "Silbernen Zeitalters" der russischen Poesie, Boris Pilnjak, Alexander Blok, Viktor Schklowskij und andere, verkleidet vor, die Dichtung Anna Achmatowas bildet die Hintergrundmusik dieser avantgardistischen Wettstreite. Die nachfolgenden Wellen erzählen von Autoren und ihren Werken. In einem assoziativen und episodenhaften Erzählen setzt sich kaleidoskopartig die Zeit zusammen.Russisches Narrenschiff hat ein eigenes Schicksal. Olga Forsch war gewiss keine Dissidentin, doch der Roman verschwand nach der Veröffentlichung 1931: Er wurde weder in die später erschienene Gesamtausgabe der Werke von Olga Forsch aufgenommen noch zu ihren Lebzeiten veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2020
Rezensent Andreas Platthaus hat dieses Buch als "Schlüsselroman über die Petrograder Literaturszene in den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution" gelesen: Die Autorin hat dem Haus der Künste in Petrograd mit dem "Narrenschiff" ein Denkmal gesetzt, das mit Sprachreichtum und Formvirtuosität glänzt, lobt der Kritiker. Außerdem dankt er der Übersetzerin Christine Pöhlmann für die beiden Zusatzteile, die sie dem Roman hinzugefügt hat. Ihm zufolge erhalten sie Gedichte und Kurzbiografien von Schriftsteller*innen der russischen Avantgarde, auf die Forsch anspielt. Den beeindruckten Rezensenten hat das Buch in eine tiefe Trauer über diese "größtenteils mörderisch vernichtete literarische Welt" gestürzt.
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