Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026
ISBN
9783462008357 Gebunden, 416 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Nicola Denis. Olivier Guez verwebt die Lebensgeschichte von Gertrude Bell mit den Ereignissen im Nahen Osten nach dem Ersten Weltkrieg. Archäologin, Abenteurerin, Agentin des Britischen Empire: Gertrude Bell war mit Lawrence von Arabien seelenverwandt, eine enge Vertraute von Winston Churchill und die einzige Frau unter den mächtigen Männern Mesopotamiens. Sie liebte den Orient und wollte diese Region um jeden Preis befrieden. Bell war die missverstandene Tochter einer reichen viktorianischen Familie. Sie verlor viel zu früh ihre Mutter, kämpfte gegen die Erwartungen des Vaters und ging fast an einer tragischen Liebe zugrunde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2026
Rezensentin Sonja Zekri wird nicht allzu glücklich mit diesem, immerhin süffig geschriebenen, Buch. Olivier Guez wendet sich darin der britischen Abenteurerin und Diplomatin Gertrude Bell zu, die sich zeitlebens vor allem für den Nahen Osten begeisterte - und im Privaten kein Glück fand. Guez zeichnet nach, wie Bell, privilegiert aufgewachsen, sich ganz mit dem Projekt des britischen Empire identifiziert, wobei sich seine Darstellung vor allem auf ihre Tätigkeit im damaligen Mesopotamien konzentriert; eine Weltregion, die nicht zuletzt dank ihrer Aktivität heute so ist wie sie ist. Es irritiert Zekri doch ziemlich, dass Guez all das strikt aus der Perspektive der Kolonialisten und insbesondere Bells erzählt, die arabische Seite kommt praktisch nicht vor beziehungsweise verschwindet hinter Projektionen. Das ist umso erstaunlicher, als viele heutige Probleme im Nahen Osten unmittelbar auf Bells Wirken zurückzuführen sind; tatsächlich wiederholen die Westmächte, glaubt Zekri, derzeit viele Fehler ihrer Vorgängerin. Guez' Buch jedenfalls liest sich zwar flüssig weg, ist aber in den Augen der Rezensentin schlicht nicht mehr zeitgemäß.
Getrude Bell ist die "vergessene Architektin eines Landstrichs", dem früheren Mesopotamien, von der Olivier Guez in seinem neuen Roman erzählt, wie Kritiker Jan Küveler klar macht. Richtig nahe kommt man Bell in diesem "stilistisch eigenwilligen, historiografisch souveränen" Buch nicht, warnt Küveler, dafür aber der Geschichte, die sie mitbestimmt hat und die bis heute hochexplosiv wirke. Bell ist den Arabern freundschaftlich verbunden und stimmt doch gegen deren Selbstbestimmung, schließlich kommt es doch zu Staatsgründungen, Bell setzt sich für einen "Imperialismus mit weicherer Fassade" ein, bei dem die Eliten des Landes unangetastet bleiben - Guez stellt auf beeindruckende Weise eine Frau vor, die sich auf zutiefst koloniale Weise Dinge und Macht angeeignet hat, die ihr nicht zustanden. Eine Figur, die die Arroganz des Westens bis heute verkörpert, erklärt der Rezensent, dem das Buch sichtlich gefallen hat.
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