Aus dem Französischen von Helmut Reuter. Jüdisches Leben ist heute in Deutschland überall sichtbar: Synagogen werden wiederaufgebaut, eine junge Generation definiert selbstbewusst ihr Judentum. Angesichts der Vernichtung von Millionen Juden im Nationalsozialismus grenzt diese Entwicklung an ein Wunder. Wie konnte es dazu kommen? Olivier Guez befragt prominente Zeitzeugen wie Edgar Hilsenrath und Ralph Giordano, warum sie ausgerechnet ins Land des Holocaust zurückkehrten. Er erzählt von den erschütternden Erlebnissen der "unerwünschten" Displaced Persons, die nach dem Krieg hier strandeten, und spricht mit denen, die nicht zurückkehrten wie Fritz Stern und Peter Gay. Eine bewegende Geschichte, die trotz Schmerz, Angst und Trauer auch von der Hoffnung auf Leben erzählt.
Als vor etlichen Jahren der jüdische Psychoanalytiker Sammy Speier gefragt wurde, wie er es aushalte, in Deutschland zu leben, fragte er, ohne mit der Wimper zu zucken, zurück: "Und Sie, wie halten Sie es aus?". Gabriele von Arnim erzählt diese Episode, und sie ist nur eine von vielen, die sie für Olivier Guez' Buch "Heimkehr der Unerwünschten" eingenommen hat. Der französische Journalist verfolgt darin die ihm unerklärliche Frage, wie Juden nach dem Holocaust nach Deutschland zurückkehren konnten. Er umreißt dafür kursorisch die deutsche Nachkriegsgeschichte und befragt bekannte jüdische Autoren, von Edgar Hilsenrath und Imre Kertesz über Henryk Broder und Maxim Biller bis zu Micha Brumlik und Michael Wolffsohn. Arnim fand Guez' Ausführungen nicht immer ganz tiefgründig und nicht immer ganz neu, sie weiß aber, dass das Buch für französische Leser geschrieben wurde, weswegen sie dies Guez nachsieht. Denn alles in allem fand sie das Buch doch erhellend, dank der "klugen Neugier" des Autors.
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